Genuss pur - Mendoza

30.07.-02.07.

Nach einer 12 stündigen Nachtbusfahrt sind wir recht ausgeruht in Mendoza angekommen und haben das sehr schöne kleine B&B bezogen. Mendoza ist die unumstrittene Weinhauptstadt Argentiniens und begrüßt uns mit Sonne, aber kühlen 13 Grad. Jochen braucht also dringend eine Mütze; hatte er sich in Peru doch geweigert eine der dort an jeder Ecke feilgebotenen Ohrenklappenmützen aus Baby-Alpacka zu kaufen, da "zu touristisch"! :-)) Allerdings klingt das hier einfacher als getan. In Argentinien wird nach wie vor stark an der Siesta festgehalten und so haben alle Geschäfte von 13:00 Uhr bis 17:00 Uhr geschlossen, an jedem Werktag! Kein Wunder das die Wirtschaft hier stockt.
(Dazu noch eine kleine Anekdote zum Thema Münzen:
Wie im vorherigen Eintrag beschrieben scheint die einfache Peso-Münze in Argentinien ein sehr weltvolles Gut zu sein und so versucht hier jeder möglichst keine davon auszugeben. 2 Peso ist die größte Münze und ist momentan weniger als 40 Cent wert. Wegen der Inflation ändert sich dies nahezu täglich. Wenn man hier im Supermarkt einkaufen geht, bekommt man in der Regel nicht den genauen Betrag zurück, sondern nur das, was man mit Scheinen begleichen kann. Gleiches gilt im Restaurant, da bekommt man Bonbons statt Münzen. :-) Ob man allerdings auch mit Bonbons bezahlen kann haben wir noch nicht probiert.
Der Argentinier hortet also seine Münzen und das u. a. aus folgendem Grund. In den vergangenen Jahren gab es eine regelrechte Münzknappheit, hervorgerufen durch die örtlichen Busgesellschaften. In den Bussen konnte man seine Fahrkarte ausschliesslich mit Kleingeld bezahlen und so sammlten sich hier irgendwann grosse Teile des Münzgeldes an. Aber statt dieses wieder in Umlauf zu bringen haben die Busunternehmen die Münzen gegen Scheine gewechselt. Aber natuerlich nicht 1:1, sondern 1:0,8 somit hat das Busunternehmen ordentlich an der von ihm herbeigeführten Knappheit verdient, d.h. 2 Peso Münze > 2 Peso Schein!?! Unglaublich aber wahr! Wozu gibt es eigentlich die Notenbank? Willkommen in Argentinien!)

Mendoza beglückt uns mit hervorragenden Weinen und ausgezeichnetem Essen. Gleich am 2. Tag unternehmen wir gemeinsam mit dem Besitzer des B&B eine Tour durch die umliegenden Weingüter. Vier Bodegas besuchen wir an diesem Tag, erfahren so viel neues über Weine und kommen am Abend beschwipst nach Hause.
Beispielsweise ist es in Argentinien, anders als in Europa, verboten dem Wein bei der Gärung Zucker zuzusetzen, da der Wein in der trockenen Wüstenregion selbst viel davon entwickelt und man vermeiden will, dass erstens zu viel Alkohol entsteht (Rotwein erreicht hier locker 14-15%) und zweitens gepanscht wird. Ebenso sieht Christiane zum ersten mal welch ein Aufwand betrieben werden muß um Sekt herzustellen. Ab sofort genießt sie jenen mit mehr Ehrfurcht.
Hier in Mendoza kommen auch keinerlei Erntemaschinen zum Einsatz. Alles wird noch per Hand geerntet und die guten Trauben NUR von Frauen aussortiert. Diese seien genauer und gewissenhafter. ;-) Die Trauben werden auch nicht gepresst, sondern durch ihr Eigengewicht in den Gärbehältern zerquetscht. Dann werden zum Großteil nur neue Fässer aus französischer und wenige aus amerikanischer Eiche verwendet. Alles geschieht mit größter Sorgfalt, was man durchaus im Wein schmecken kann. Malbec ist übrigens die für Argentinien typische Traube.

Da Mendoza in einer der trockensten Gegenden Argentiniens liegt, herrscht hier Wasserknappheit. So muss jeder Winzer hoffen, dass es im Winter in den umliegenden Anden ordentlich schneit, damit der Stausee aus dem er sein Wasser zugeteilt bekommt auch voll wird. Das Wasser wird je Quadratmeter Weinberg verteilt und es ist nicht möglich durch Zuzahlung mehr zu bekommen, als einem gemäß vorhandener Fläche zusteht.

Am darauffolgenden Tag sehen wir, dass die Sorge der Winzer um Wasser durchaus begründet ist. Wir fahren auf ca. 4500m um eine Bergpanorama-Tour zu machen und stellen fest, dass hier kaum Schnee liegt. Dies liegt nicht an den fehlenden eisigen Temperaturen sondern daran, dass es keinen Niederschlag gibt. Wir passieren Geister-Hotel Dörfer und verwaiste Skilifte die vor einigen Jahren gebaut wurden, um die Gegend als Skigebiet zu etablieren. Aber leider fehlt der Schnee. Uns wird schon ein bisschen mulmig zu Mute und wir hoffen, dass der Klimawandel Ischgl auf diese Art und Weise verschont.














Die Anden haben es uns angetan und so beschießen wir erneut 17h per Nachtbus noch weiter in den Norden zu fahren, um diese im Bundesstaat Salta genauer zu erkunden.

Viele Grüße, Christiane und Jochen


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