Namaste Nepal
Das Erste, woran man bei Nepal vermutlich denkt, ist Schnee, Eis, Trekking und Mount Everest. Doch Nepal bietet so viel mehr und überrascht uns mit steilen Reisterrassen, bergigen Bananenplantagen und lieblichen grünen Hügeln; und dies alles vor der erhabenen Gebirgskette des Himalaya.
Schon beim Anflug auf Kathmandu wird uns ein erster sonnenuntergangs-getönter Blick auf die 8.000er des Himalaya-Gebirges vergönnt. Wow.
Unsere erste Station für drei Tage ist Kathmandu, die Hauptstadt des kleinen Landes am Fuße des Himalaya, zwischen Indien und Tibet gelegen. Kathmandu hat etwa 1 Mio. Einwohner, ca. 10% der Gesamtbevölkerung Nepals. Die Bevölkerung Nepals ist zum größten Teil ländlich und bäuerlich geprägt; die Urbanisierung ist eine der Geringsten weltweit.
Kathmandu ist etwas aufgeräumter, als vergleichbare Städte dieser Größe in Indien und wir müssen uns nicht die Straße mit Tieren aller Art teilen. Dennoch würden wir uns auch hier definitiv nicht selbst hinters Steuer setzten. :-) Die Menschen sind Fremden gegenüber sehr freundlich, bemüht und weniger aufdringlich als im Nachbarland, Indien.
Im Zentrum Kathmandus bietet der Durbar Platz wunderbare hinduistische Tempelanlagen. Hier schlägt das traditionelle Herz der Altstadt und es finden sich neben dem alten Königspalast noch weitere historische Gebäude. Aber auch die buddhistischen Tempel mit ihren bunten Gebetsfahnen tauchen Kathmandu in eine bunte Farbenpracht.
Eines der "größten" Highlights der Stadt ist aber sicher eine lebende, kleine Göttin, die Kumari (Sanskrit: „Mädchen“), welche als Inkarnation der hinduistischen Göttin Durga gilt und seit dem 13. Jahrhundert von den Nepalesen verehrt wird. Im Alter zwischen 2-5 Jahren wird ein kleines Mädchen anhand von 32 Schönheitsmerkmalen und ihres Horoskops von einem Komitee zu Kumari gewählt. Um ihren göttlichen Status zu beweisen, müssen die auserwählten Mädchen zahlreiche religiöse Prüfungen bestehen. Nur eines, welches all diese besteht, darf in den Kumari Bahal Tempel einziehen, wo sie mit einem religiösen Ritual zur Kumari geweiht wird.
Isoliert von der Außenwelt, ohne Freunde und ohne soziale Kontakte verbringt die Kumari ihre gesamte Kindheit im Tempel am Durbar Platz und verlässt diesen nur an hohen religiösen Feiertagen. Jede ihrer Regungen gilt als Zeichen für Glück oder Pech und zu lächeln ist ihr eigentlich untersagt. So galt die Kumari früher als Orakel des Königs und seit der Abschaffung der Monarchie im Jahr 2008 besucht sie auch der aktuelle maoistische Premierminister. Ihr Dasein als Göttin endet mit ihrer ersten Menstruation und ein neues Mädchen wird zur Kumari-Gottheit.
Für die Abgesetzte beginnt dann ein schwieriger Alltag außerhalb des Tempel. Doch diese Umstellung ist schwer. Aufgrund der fehlenden Sozialisation und Bildung ist ihr vieles fremd. Sie muss lernen, zu lachen und zu plaudern. Ausserdem würde kein Nepalese eine ehemalige Kumari heiraten - und der soziale Status einer ledigen Frau ist in Nepal gering. Mittlerweile erhalten die amtierenden Kumari zwar bereits während ihrer Verehrung als Göttin eine Form von Schulbildung, die sich allerdings schwierig gestaltet, da der Kumari offiziell nicht widersprochen werden darf.
Wir haben Glück die derzeitige Kumari kurz zu Gesicht zu bekommen, als sie sich stark geschminkt und in prachtvollem Gewand kurz am Fenster zeigt, um ihren Anhängern emotionslos zu winken. Für unsere westliche Wertvorstellung ist das, was dort mit dem kleinen Mädchen gemacht wird befremdlich und wir empfinden statt Begeisterung nur Mitleid.
Fotos von der Kumari zu machen ist strengstens untersagt und wir respektieren dies selbstverständlich, aber Google weiß bekanntlich alles. :-)
Obwohl Siddhartha, der historische Buddha, ursprünglich aus Nepal kam, ist Nepal, wie Indien, überwiegend hinduistisch geprägt. Daher ist auch hier die öffentliche Verbrennung der Toten an heiligen Stätten üblich.
Unser Guide führt uns an einen heiligen Fluss bei Kathmandu und meint "...dies sei Klein-Varanasi und schon mal eine gute Einstimmung auf das echte in Indien...". Die Pashupatinath Anlage gilt als das größte hinduistische Heiligtum in Nepal. Mitten durch das Gelände fließt der Fluß Bagmati. Am linken Ufer des Bagmati liegen der Tempel und die Verbrennungsstätten, die Arya Ghats (Verbrennungsstätten der höheren Kasten) und die Surya Ghats (Verbrennungsstätten der niederen Kasten). Es finden hier ständig Einäscherungen statt und somit ist das Ufer häufig mit Rauchschwaden überzogen.
Die in Tücher gehüllte Leiche wird zu den Verbrennungsstätten getragen, wo ein Scheiterhaufen errichtet wird. Vor der Einäscherung bespritzt man den Leichnam mit Wasser des heiligen Flusses. Wenn es sich die Familie leisten kann, verwendet sie zur Verbrennung neben normalem Holz zusätzlich das kostbare, duftende Sandelholz.
Bei den Hindus hat der älteste Sohn eine wichtige Rolle bei der zeremoniellen Einäscherung der Eltern. Er führt barfuß die Prozession der Trauernden an, ihm werden als Zeichen der Trauer vor Ort die Haare abrasiert und er geht fünfmal im Uhrzeigersinn um den Scheiterhaufen. Die im Hinduismus heilige Zahl fünf steht für die fünf Elemente Erde, Wasser, Feuer, Wind und Raum. Danach zündet er (ersatzweise die älteste Tochter oder ein Priester) mit einem, mit Butter getränkten Strohbüschel den Scheiterhaufen an. Für die Hindus ist dieses Ritual ein äußerst wichtiger Teil Ihrer Religion.
Nach der vollständigen Einäscherung, die bis zu fünf Stunden dauert, wird die Asche und einige Opfergaben dem heiligen Fluss übergeben. Doch sobald dies geschehen ist, stürzten sich Jugendliche ins Wasser um wertvolle Überreste, wie z. B. Goldzähne, zu erhaschen und plündern auch die Opfergaben die mit einer Kerze versehen von den Trauernden auf das Wasser gesetzt wurden. Hier liegen Leid und Hunger einfach zu nah beieinander - wir sind erschüttert!!!
Jeder hat sicher schon mal von der öffentlichen Einäscherung gehört, oder sogar Bilder davon gesehen, aber so nah dabei zu stehen, hat für uns etwas sehr berührendes und trauriges, ja sogar bedrückendes und wir fühlen uns fehl am Platz.
Auf dem Rückweg kommen wir das erste Mal mit Saddhus (heiligen Männern) in Kontakt. Sie fallen durch ihre langen, verfilzten Haare und durch eine auffällige Gesichtsbemalung auf. Durch die Bemalung ist erkennbar, welche Gottheit sie verehren. Die Saddhus erhoffen sich eine kleine Geldspende, wenn man sie fotografieren möchte. Böse Zungen behaupten übrigens, dass die Saddhus gute Schauspieler sind, die nur wegen des Geldes hier sitzen. Wir geben gern ein paar Cent und freuen uns über die netten Bilder.
Unsere Reise durch Nepal führt uns natürlich auch Richtung Himalaya und so machen wir uns auf nach Pokhara in der Annapurna Region, dem Ausgangspunkt für unsere dreitägige Trekkingtour, selbstverständlich mit Guide und Träger. Der Annapurna ist mit 8091m der 10. höchste Berg der Welt. Die einzigartige Landschaft, gepaart mit multi-kulturellen und multi-ethnischen Eindrücken, macht die Region zu einem der beliebtesten Trekkingziele Nepals. Auf die Frage, ob wir Steigeisen, Helm und Seil benötigen, winkt unser Bergführer lächelnd ab. Wir betonen unsere Bergerfahrung auf den oberbayerischen Alpenwiesen; "Flachlandtiroler" wird er sich denken. ;-) Wir rechnen mit Schneefeldern und Kälte und bekommen glücklicherweise dicke Schlafsäcke, mit warmen Wasser ist nicht zu rechnen. Na dann auf ins Abenteuer.
Los geht's, der Himmel ist blau und die Sonne strahlt, als wir unsere erste Tagesetappe starten. Erstmal bergauf, klar, wir sind schließlich im höchsten Gebirge der Welt. Schnell kommen wir ins Schwitzen, als auch schon die ersten Frauen in Badelatschen hinten aufschließen, den Korb für das zu sammelnde Brennholz schon auf die Stirn geschnallt. Kurz versuchen wir das Tempo zu halten, um dann, einen offenen Schnürsenkel vortäuschend, diese vorbeiziehen zu lassen. Mensch die sind fit hier oben! Die Gegend wird ländlicher, die steilen Reisterrassen grüner und die Berge kommen immer näher.
Unsere Wanderung ist einfach nur schön und die Luft so klar. Unberührte Natur, freundliche Menschen, ursprüngliche kleinbäuerliche Lebensformen und immer ein Lächeln, so empfängt uns Nepals Landleben. Schnee, Eis, Gletscher und die majestätischen Berge sind zwar in der Ferne allgegenwärtig, doch werden wir damit nicht in Berührung kommen, sondern haben angenehme Wandertemperaturen und sonnige Stunden auf grünen Pfaden. Vorbei geht es an vielen einfachen Gasthäusern in denen wir immer einen heißen wohlschmeckenden Masala Tee bekommen und uns die Kinder freundlich begrüßen. Die kalten Nächte verbringen wir im Schlafsack, in den einfachen Unterkünften, aber immerhin mit warmen Wasser und eigenem Badezimmer - dafür hat sich unser Bergführer sehr ins Zeug gelegt. Mehr als wir erwartet haben. Leider fängt es in der ersten Nacht an, zu gewittern und so soll es auch am zweiten Tag weiter gehen. So huschen wir also zwischen den Regenfällen von einem Unterstellplatz zum nächsten und hoffen, dass der Donner an uns vorüber zieht. Schließlich werden wir doch nass und flüchten ins nächste Gasthaus, in dem uns der Bergführer und der Träger mit Lagerfeuer und leckerem Essen überraschen. Sehr nett!!!
Überhaupt sind die Menschen überaus freundlich und immer zu einen Scherz aufgelegt. Hier ist Service noch selbstverständlich und wir fühlen uns überall sehr willkommen.
Glücklich über die vielen schönen Eindrücke und körperlich geschafft, kommen wir nach drei Tagen wieder in Pokhara an und sind uns einig, dass wir eine Wanderung in Nepal nur empfehlen können. Die Landschaft ist wunderschön, das Landleben ursprünglich und Nepal ist auf Wanderer professionell eingestellt und bietet Touren für jeden Fitnessanspruch. :-)
Das nächste Ziel ist der Chitwan-Nationalpark im Süden Nepals. Als erster Nationalpark des Landes 1973 gegründet, nimmt er eine Fläche von 932 km² ein und bildet die südliche Landesgrenze zu Indien. Der Chitwan Nationalpark ist eine der größten touristischen Attraktionen Nepals und bietet neben der seltenen Chance, einen Tiger zu sehen, auch die exklusive Möglichkeit, auf dem Rücken eines Elefanten eine Safari zu unternehmen. Wir schlafen in einer wundervollen Safari-Lodge mit Blick auf den Fluß und Jochen ist von der frechen Vogelwelt ganz angetan. Bei der obligatorischen Einweisung für den Elefantenritt am kommenden Morgen, erfahren wir erstaunliches über den Asiatischen Elefanten. Wer hätte gedacht, das der zweifache Umfang des Vorderfußes, der Höhe des Elefanten entspricht?! Bei der Fütterung aus der Hand lernen wir unseren Elefanten kennen. Um sechs Uhr am kommenden Morgen geht es los. Wir sitzen zu zweit im Korb in etwa vier Meter Höhe, unter uns vier Tonnen warmer Elefant, vor uns ein kleiner barfüßiger Nepalese (Mahu), der mit seinen Füßen das Tier hinter seinen Ohren lenkt. Los geht der wankende Ausritt.
Scheinbar mühelos schreitet der Kollos quer durch den Urwald. Das dichte Gestrüpp wird entweder zur Seite geschoben, mit dem Rüssel entfernt oder auch gleich gefressen.
Der Rüssel ist übrigens immer in Bewegung. So schlägt er beim Gehen die Erde von den ausgerupften Grasbüscheln - was von oben besonders lustig aussieht. Ebenso prüft der Elefant mit seinem Rüssel ständig, ob der Boden tragfähig ist, denn vor Treibsand hat das Tier panische Angst und würde hier trotz deutlicher Kommandos des Mahu's nicht weiter gehen. Festhalten ist angesagt, wenn der Elefant scheinbar unüberwindbare Böschungen erklimmt und zwischendurch an Geschwindigkeit aufnimmt um eine Spur zu verfolgen. Tolle Tiere!
Alleine der zweistündige Ausritt auf dem Elefanten ist eine Reise nach Nepal wert. Warum eine Safari auf seinem Rücken aber so außergewöhnlich ist, ist die (Nicht)-Reaktion der anderen Tiere. Der Elefant kann dorthin, wo kein Geländewagen mehr hinkommt und da es im Chitwan Nationalpark auch noch wilde Elefanten gibt, wird er von den anderen Tieren als ebenso wilder, aber gefahrloser Waldbewohner wahrgenommen. So stehen wir in fünf Meter Entfernung vor einem schlafenden Nashorn, das kurz aufwacht, tief schnaubt und sich wieder ablegt. Auch die anderen Tiere, jede Menge Hirsche, Wildscheine, Vögel, Rehe und Affen lassen uns ganz nah rankommen und kein Motor stört das wunderbare Naturerlebnis. Der Tiger war auch da, wie die Spuren zeigten. Leider wurde eine Sichtung vermutlich durch den, zu dieser Jahreszeit häufig vorkommenden Nebel verhindert. Schade, dennoch ein besonders Erlebnis.
Nach diesen wunderbaren Tagen in der Natur erwartet uns als nächstes wieder Indien. Varanasi, als kulturelles Highlight, steht auf dem Programm.
Bis dahin, alles Liebe,
Jochen und Christiane
Schon beim Anflug auf Kathmandu wird uns ein erster sonnenuntergangs-getönter Blick auf die 8.000er des Himalaya-Gebirges vergönnt. Wow.
Unsere erste Station für drei Tage ist Kathmandu, die Hauptstadt des kleinen Landes am Fuße des Himalaya, zwischen Indien und Tibet gelegen. Kathmandu hat etwa 1 Mio. Einwohner, ca. 10% der Gesamtbevölkerung Nepals. Die Bevölkerung Nepals ist zum größten Teil ländlich und bäuerlich geprägt; die Urbanisierung ist eine der Geringsten weltweit.
Kathmandu ist etwas aufgeräumter, als vergleichbare Städte dieser Größe in Indien und wir müssen uns nicht die Straße mit Tieren aller Art teilen. Dennoch würden wir uns auch hier definitiv nicht selbst hinters Steuer setzten. :-) Die Menschen sind Fremden gegenüber sehr freundlich, bemüht und weniger aufdringlich als im Nachbarland, Indien.
Eines der "größten" Highlights der Stadt ist aber sicher eine lebende, kleine Göttin, die Kumari (Sanskrit: „Mädchen“), welche als Inkarnation der hinduistischen Göttin Durga gilt und seit dem 13. Jahrhundert von den Nepalesen verehrt wird. Im Alter zwischen 2-5 Jahren wird ein kleines Mädchen anhand von 32 Schönheitsmerkmalen und ihres Horoskops von einem Komitee zu Kumari gewählt. Um ihren göttlichen Status zu beweisen, müssen die auserwählten Mädchen zahlreiche religiöse Prüfungen bestehen. Nur eines, welches all diese besteht, darf in den Kumari Bahal Tempel einziehen, wo sie mit einem religiösen Ritual zur Kumari geweiht wird.
Isoliert von der Außenwelt, ohne Freunde und ohne soziale Kontakte verbringt die Kumari ihre gesamte Kindheit im Tempel am Durbar Platz und verlässt diesen nur an hohen religiösen Feiertagen. Jede ihrer Regungen gilt als Zeichen für Glück oder Pech und zu lächeln ist ihr eigentlich untersagt. So galt die Kumari früher als Orakel des Königs und seit der Abschaffung der Monarchie im Jahr 2008 besucht sie auch der aktuelle maoistische Premierminister. Ihr Dasein als Göttin endet mit ihrer ersten Menstruation und ein neues Mädchen wird zur Kumari-Gottheit.
Wir haben Glück die derzeitige Kumari kurz zu Gesicht zu bekommen, als sie sich stark geschminkt und in prachtvollem Gewand kurz am Fenster zeigt, um ihren Anhängern emotionslos zu winken. Für unsere westliche Wertvorstellung ist das, was dort mit dem kleinen Mädchen gemacht wird befremdlich und wir empfinden statt Begeisterung nur Mitleid.
Fotos von der Kumari zu machen ist strengstens untersagt und wir respektieren dies selbstverständlich, aber Google weiß bekanntlich alles. :-)
Obwohl Siddhartha, der historische Buddha, ursprünglich aus Nepal kam, ist Nepal, wie Indien, überwiegend hinduistisch geprägt. Daher ist auch hier die öffentliche Verbrennung der Toten an heiligen Stätten üblich.
Unser Guide führt uns an einen heiligen Fluss bei Kathmandu und meint "...dies sei Klein-Varanasi und schon mal eine gute Einstimmung auf das echte in Indien...". Die Pashupatinath Anlage gilt als das größte hinduistische Heiligtum in Nepal. Mitten durch das Gelände fließt der Fluß Bagmati. Am linken Ufer des Bagmati liegen der Tempel und die Verbrennungsstätten, die Arya Ghats (Verbrennungsstätten der höheren Kasten) und die Surya Ghats (Verbrennungsstätten der niederen Kasten). Es finden hier ständig Einäscherungen statt und somit ist das Ufer häufig mit Rauchschwaden überzogen.
Die in Tücher gehüllte Leiche wird zu den Verbrennungsstätten getragen, wo ein Scheiterhaufen errichtet wird. Vor der Einäscherung bespritzt man den Leichnam mit Wasser des heiligen Flusses. Wenn es sich die Familie leisten kann, verwendet sie zur Verbrennung neben normalem Holz zusätzlich das kostbare, duftende Sandelholz.
Bei den Hindus hat der älteste Sohn eine wichtige Rolle bei der zeremoniellen Einäscherung der Eltern. Er führt barfuß die Prozession der Trauernden an, ihm werden als Zeichen der Trauer vor Ort die Haare abrasiert und er geht fünfmal im Uhrzeigersinn um den Scheiterhaufen. Die im Hinduismus heilige Zahl fünf steht für die fünf Elemente Erde, Wasser, Feuer, Wind und Raum. Danach zündet er (ersatzweise die älteste Tochter oder ein Priester) mit einem, mit Butter getränkten Strohbüschel den Scheiterhaufen an. Für die Hindus ist dieses Ritual ein äußerst wichtiger Teil Ihrer Religion.
Nach der vollständigen Einäscherung, die bis zu fünf Stunden dauert, wird die Asche und einige Opfergaben dem heiligen Fluss übergeben. Doch sobald dies geschehen ist, stürzten sich Jugendliche ins Wasser um wertvolle Überreste, wie z. B. Goldzähne, zu erhaschen und plündern auch die Opfergaben die mit einer Kerze versehen von den Trauernden auf das Wasser gesetzt wurden. Hier liegen Leid und Hunger einfach zu nah beieinander - wir sind erschüttert!!!
Jeder hat sicher schon mal von der öffentlichen Einäscherung gehört, oder sogar Bilder davon gesehen, aber so nah dabei zu stehen, hat für uns etwas sehr berührendes und trauriges, ja sogar bedrückendes und wir fühlen uns fehl am Platz.
Auf dem Rückweg kommen wir das erste Mal mit Saddhus (heiligen Männern) in Kontakt. Sie fallen durch ihre langen, verfilzten Haare und durch eine auffällige Gesichtsbemalung auf. Durch die Bemalung ist erkennbar, welche Gottheit sie verehren. Die Saddhus erhoffen sich eine kleine Geldspende, wenn man sie fotografieren möchte. Böse Zungen behaupten übrigens, dass die Saddhus gute Schauspieler sind, die nur wegen des Geldes hier sitzen. Wir geben gern ein paar Cent und freuen uns über die netten Bilder.
Unsere Reise durch Nepal führt uns natürlich auch Richtung Himalaya und so machen wir uns auf nach Pokhara in der Annapurna Region, dem Ausgangspunkt für unsere dreitägige Trekkingtour, selbstverständlich mit Guide und Träger. Der Annapurna ist mit 8091m der 10. höchste Berg der Welt. Die einzigartige Landschaft, gepaart mit multi-kulturellen und multi-ethnischen Eindrücken, macht die Region zu einem der beliebtesten Trekkingziele Nepals. Auf die Frage, ob wir Steigeisen, Helm und Seil benötigen, winkt unser Bergführer lächelnd ab. Wir betonen unsere Bergerfahrung auf den oberbayerischen Alpenwiesen; "Flachlandtiroler" wird er sich denken. ;-) Wir rechnen mit Schneefeldern und Kälte und bekommen glücklicherweise dicke Schlafsäcke, mit warmen Wasser ist nicht zu rechnen. Na dann auf ins Abenteuer.
Los geht's, der Himmel ist blau und die Sonne strahlt, als wir unsere erste Tagesetappe starten. Erstmal bergauf, klar, wir sind schließlich im höchsten Gebirge der Welt. Schnell kommen wir ins Schwitzen, als auch schon die ersten Frauen in Badelatschen hinten aufschließen, den Korb für das zu sammelnde Brennholz schon auf die Stirn geschnallt. Kurz versuchen wir das Tempo zu halten, um dann, einen offenen Schnürsenkel vortäuschend, diese vorbeiziehen zu lassen. Mensch die sind fit hier oben! Die Gegend wird ländlicher, die steilen Reisterrassen grüner und die Berge kommen immer näher.
Unsere Wanderung ist einfach nur schön und die Luft so klar. Unberührte Natur, freundliche Menschen, ursprüngliche kleinbäuerliche Lebensformen und immer ein Lächeln, so empfängt uns Nepals Landleben. Schnee, Eis, Gletscher und die majestätischen Berge sind zwar in der Ferne allgegenwärtig, doch werden wir damit nicht in Berührung kommen, sondern haben angenehme Wandertemperaturen und sonnige Stunden auf grünen Pfaden. Vorbei geht es an vielen einfachen Gasthäusern in denen wir immer einen heißen wohlschmeckenden Masala Tee bekommen und uns die Kinder freundlich begrüßen. Die kalten Nächte verbringen wir im Schlafsack, in den einfachen Unterkünften, aber immerhin mit warmen Wasser und eigenem Badezimmer - dafür hat sich unser Bergführer sehr ins Zeug gelegt. Mehr als wir erwartet haben. Leider fängt es in der ersten Nacht an, zu gewittern und so soll es auch am zweiten Tag weiter gehen. So huschen wir also zwischen den Regenfällen von einem Unterstellplatz zum nächsten und hoffen, dass der Donner an uns vorüber zieht. Schließlich werden wir doch nass und flüchten ins nächste Gasthaus, in dem uns der Bergführer und der Träger mit Lagerfeuer und leckerem Essen überraschen. Sehr nett!!!
Überhaupt sind die Menschen überaus freundlich und immer zu einen Scherz aufgelegt. Hier ist Service noch selbstverständlich und wir fühlen uns überall sehr willkommen.
Glücklich über die vielen schönen Eindrücke und körperlich geschafft, kommen wir nach drei Tagen wieder in Pokhara an und sind uns einig, dass wir eine Wanderung in Nepal nur empfehlen können. Die Landschaft ist wunderschön, das Landleben ursprünglich und Nepal ist auf Wanderer professionell eingestellt und bietet Touren für jeden Fitnessanspruch. :-)
Das nächste Ziel ist der Chitwan-Nationalpark im Süden Nepals. Als erster Nationalpark des Landes 1973 gegründet, nimmt er eine Fläche von 932 km² ein und bildet die südliche Landesgrenze zu Indien. Der Chitwan Nationalpark ist eine der größten touristischen Attraktionen Nepals und bietet neben der seltenen Chance, einen Tiger zu sehen, auch die exklusive Möglichkeit, auf dem Rücken eines Elefanten eine Safari zu unternehmen. Wir schlafen in einer wundervollen Safari-Lodge mit Blick auf den Fluß und Jochen ist von der frechen Vogelwelt ganz angetan. Bei der obligatorischen Einweisung für den Elefantenritt am kommenden Morgen, erfahren wir erstaunliches über den Asiatischen Elefanten. Wer hätte gedacht, das der zweifache Umfang des Vorderfußes, der Höhe des Elefanten entspricht?! Bei der Fütterung aus der Hand lernen wir unseren Elefanten kennen. Um sechs Uhr am kommenden Morgen geht es los. Wir sitzen zu zweit im Korb in etwa vier Meter Höhe, unter uns vier Tonnen warmer Elefant, vor uns ein kleiner barfüßiger Nepalese (Mahu), der mit seinen Füßen das Tier hinter seinen Ohren lenkt. Los geht der wankende Ausritt.
Scheinbar mühelos schreitet der Kollos quer durch den Urwald. Das dichte Gestrüpp wird entweder zur Seite geschoben, mit dem Rüssel entfernt oder auch gleich gefressen.
Der Rüssel ist übrigens immer in Bewegung. So schlägt er beim Gehen die Erde von den ausgerupften Grasbüscheln - was von oben besonders lustig aussieht. Ebenso prüft der Elefant mit seinem Rüssel ständig, ob der Boden tragfähig ist, denn vor Treibsand hat das Tier panische Angst und würde hier trotz deutlicher Kommandos des Mahu's nicht weiter gehen. Festhalten ist angesagt, wenn der Elefant scheinbar unüberwindbare Böschungen erklimmt und zwischendurch an Geschwindigkeit aufnimmt um eine Spur zu verfolgen. Tolle Tiere!
Alleine der zweistündige Ausritt auf dem Elefanten ist eine Reise nach Nepal wert. Warum eine Safari auf seinem Rücken aber so außergewöhnlich ist, ist die (Nicht)-Reaktion der anderen Tiere. Der Elefant kann dorthin, wo kein Geländewagen mehr hinkommt und da es im Chitwan Nationalpark auch noch wilde Elefanten gibt, wird er von den anderen Tieren als ebenso wilder, aber gefahrloser Waldbewohner wahrgenommen. So stehen wir in fünf Meter Entfernung vor einem schlafenden Nashorn, das kurz aufwacht, tief schnaubt und sich wieder ablegt. Auch die anderen Tiere, jede Menge Hirsche, Wildscheine, Vögel, Rehe und Affen lassen uns ganz nah rankommen und kein Motor stört das wunderbare Naturerlebnis. Der Tiger war auch da, wie die Spuren zeigten. Leider wurde eine Sichtung vermutlich durch den, zu dieser Jahreszeit häufig vorkommenden Nebel verhindert. Schade, dennoch ein besonders Erlebnis.
Nach diesen wunderbaren Tagen in der Natur erwartet uns als nächstes wieder Indien. Varanasi, als kulturelles Highlight, steht auf dem Programm.
Bis dahin, alles Liebe,
Jochen und Christiane

