The Red Center
Nach so viel Fahrerei an der Ostküste Australiens hatten wir schon überlegt, die lange Tour durch das einsame Outback im Bundesstaat Northern Territory von Darwin im Norden bis zum Ayers Rock im Zentrum abzublasen und zu fliegen oder über Nacht mit dem Zug zu fahren.
Doch unser Guidebook schwärmte so sehr von der speziellen Outback-Erfahung, dass wir uns schliesslich doch dafür entscheiden. Ursprünglich wollten wir die Fahrt gern in einem Camper erleben. Das sind Minibusse, mit eingebauter Küche und Schlafkammer. Diese sind bei Touristen aller Altersklassen sehr beliebt. (Dazu hatten uns übrigens Nicole und Sebastian aus Düsseldorf inspiriert, eine Reisebekanntschaft von den Whitsunday Islands.) Doch leider waren alle Camper vergriffen und so blieb uns wieder nur der Griff zum klassischen Mietwagen.
Im Nachhinein sind wir sehr froh, dass wir trotz anfänglicher Zweifel doch die Fahrt von ca. 3.500 km durch das heiße Outback im klimatisierten Auto auf uns genommen haben, denn dies gehört zu unseren absoluten Highlights Australiens.
Doch zunächst einige hilfreiche Fakten, die helfen die laaaange Fahrt gesund zu überstehen und zu verstehen was das besondere an dieser ist.
Im Grunde fährt man viele hundert Kilometer nur gradeaus. Bis zum Horizont nichts weiter als Büsche und Sträucher und eine schnurgerade Strasse.
Ebeso hält sich der Verkehr "in Grenzen", so dass man manchmal für Stunden keinem Auto begegnet. All diese Faktoren begünstigen leider erheblich die Gefahr des Sekundenschlafs.
Es ist sogar so wenig los, dass sich die Fahrer auf dem Highway grüßen (den Zeigefinger cool kurz vom Lenkrad anheben), um zu signalisieren "alles ok!".
Zwischendurch wird man von riesigen, bis zu 54 m langen LKWs (sogenannten Road-Trains) überrascht, welche mit einer Geschwindigkeit an einem vorbei donnern, dass man bei dem entgegenkommenden Windstoß jedesmal Angst bekommt von der Straße gedrückt zu werden. Wenn deren Fahrer eine leichte Lenkbewegung macht, schert der letzte der bis zu vier (!) Anhänger deutlich auf die andere Fahrbahn aus.
Des Weiteren wird davor gewarnt, keinesfalls nach Einbruch der Dunkelheit zu fahren, da es immer wieder zu schweren Unfällen mit Kängurus kommt, die nachts sehr aktiv sind und doch recht unkontrolliert umeinander her springen.
Vor Fahrtantritt werden wir belehrt, ständig einen vollen Kanister Wasser im Auto zu haben und bei jeder sich bietenden Gelegenheit zu tanken, egal wie voll der Tank noch ist.
Bei einer Tagestemperatur von ca. 36'C muss man außerdem darauf achten, dass der Motor bei den langen Fahrten nicht überhitzt und kein Reifen platzt.
Ihr seht, diese Fahrt ist kein Spaziergang ;-)
Und so machen wir uns "todesmutig" auf in Richtung Uluru (=Ayres Rock in der Sprache der Aborigines), eine der heiligsten Stätten der Aborigines.
Nach 500km beschließen wir in Katherine zu übernachten und schon dort erwartet uns die erste Überraschung. Wir fahren, wie empfohlen zur nächsten Tankstelle doch der Tankwart weißt uns höflich darauf hin, dass er heute kein Benzin hat. Merkwürdig! Also weiter zur Unterkunft, erstmal einchecken, Klimaanlage im Zimmer hochdrehen und dann zur nächsten Tankstelle im Ort. Doch dieser Versuch erledigt sich von selbst, da der ganze Ort seit Stunden keinen Strom hat (!!) und somit funktionieren auch die Zapfsäulen nicht. Nun ist das Outback doch recht dünn besiedelt (nächste Tankstelle in über 100km) und so bleibt uns nur zu hoffen, dass der Strom vor morgen wieder kommt und wir volltanken können, um unseren Zeitplan von 6 Tagen zu halten. Glücklicherweise haben wir Stunden später wieder Strom und nach einer langen Schlange an der Tankstelle können wir unsere Fahrt Richtung Süden fortsetzen.
Je weiter wir nach Süden ins Landesinnere vordringen desto weniger Vegetation gibt es. Es wird steiniger und der charakteristische rote Sand bestimmt das Bild.
Wir passieren kleine, unschöne Dörfer und verlassene Farmen und können uns in dieser Umgebung gut vorstellen unter welch widrigen Umständen die Menschen hier früher Viehzucht betrieben haben. Noch heute gibt es im vegetationsreichen Norden Gegenden in denen riesige Rinderherden auf Grundstücken so gross wie Belgien gehalten werden.
Neben all dem "Nichts" führt uns die Fahrt etwas abseits des Highways immer wieder zu unwirklichen Landschaften. So erkunden wir auf unserem Weg zum Ayres Rock, die Steinformationen des Devils Marvels, wo gemäß den Ureinwohnern der Regenbogen entspringt; den wunderschönen McDonald- und Kings Canyon und geniessen in Alice Springs ein deutsches B&B mit eigenem botanischem Garten. An dieser Stelle viele Grüße an Agnes und Marc nach Bejing, die mit uns eine Übernachtung in eine "sehr einfachen" Unterkunft ertragen haben. Dank Euch war es dann doch noch ein wunderschöner Abend.
An dieser Stelle nicht unerwähnt dürfen die Olgas bleiben. Diese zwölf Gesteinsriesen befinden sich ganz in der Nähe zum Ayres Rock und beeindrucken durch ihre schiere Größe. Direkt nach Sonnenaufgang am Ayers Rock bietet sich eine Wanderung durch die Felsformationen der Olgas an, denn wegen der großen Hitze und der Strahlkraft der dunkelroten Felsen, ist die Wanderung ab 11:00 morgens bei 34'C gesperrt.
So eintönig und anstrengend die Fahrt zwischenzeitlich war, ist sie doch eigentlich eine notwendige Erfahrung um Australien wirklich begreifen und erleben zu können. Denn wer mit dem Flugzeug ins Landesinnere rein und raus fliegt, hat die Dimensionen nicht erlebt und die Natur und die Kultur verliert dabei an Besonderheit.
Denn erst wenn man einige Tage durch flaches Buschland bei 36'C gereist ist und urplötzlich vor einem roten Riesenfelsen steht kann man die Faszination um den Ayers Rock verstehen. Dieser 3,6km lange und 348m hohe exponierte Felsen wirkt wie dem platten Umland nicht zugehörend und surreal. Lässt man den gewaltigen Felsen, der mit seiner glatten Oberfläche aussieht als sei "etwas" mit einem großen roten Tuch überdeckt, im Sonnenuntergang auf sich wirken, wird man merkwürdig berührt und wird diesen Moment wohl nicht mehr vergessen wollen. Eigentlich ist es aber nicht mehr als ein großer Haufen rostender Stein. Aber SOOO schön.
Doch unser Guidebook schwärmte so sehr von der speziellen Outback-Erfahung, dass wir uns schliesslich doch dafür entscheiden. Ursprünglich wollten wir die Fahrt gern in einem Camper erleben. Das sind Minibusse, mit eingebauter Küche und Schlafkammer. Diese sind bei Touristen aller Altersklassen sehr beliebt. (Dazu hatten uns übrigens Nicole und Sebastian aus Düsseldorf inspiriert, eine Reisebekanntschaft von den Whitsunday Islands.) Doch leider waren alle Camper vergriffen und so blieb uns wieder nur der Griff zum klassischen Mietwagen.
Im Nachhinein sind wir sehr froh, dass wir trotz anfänglicher Zweifel doch die Fahrt von ca. 3.500 km durch das heiße Outback im klimatisierten Auto auf uns genommen haben, denn dies gehört zu unseren absoluten Highlights Australiens.
Doch zunächst einige hilfreiche Fakten, die helfen die laaaange Fahrt gesund zu überstehen und zu verstehen was das besondere an dieser ist.
Im Grunde fährt man viele hundert Kilometer nur gradeaus. Bis zum Horizont nichts weiter als Büsche und Sträucher und eine schnurgerade Strasse.
Ebeso hält sich der Verkehr "in Grenzen", so dass man manchmal für Stunden keinem Auto begegnet. All diese Faktoren begünstigen leider erheblich die Gefahr des Sekundenschlafs.
Es ist sogar so wenig los, dass sich die Fahrer auf dem Highway grüßen (den Zeigefinger cool kurz vom Lenkrad anheben), um zu signalisieren "alles ok!".
Zwischendurch wird man von riesigen, bis zu 54 m langen LKWs (sogenannten Road-Trains) überrascht, welche mit einer Geschwindigkeit an einem vorbei donnern, dass man bei dem entgegenkommenden Windstoß jedesmal Angst bekommt von der Straße gedrückt zu werden. Wenn deren Fahrer eine leichte Lenkbewegung macht, schert der letzte der bis zu vier (!) Anhänger deutlich auf die andere Fahrbahn aus.
Des Weiteren wird davor gewarnt, keinesfalls nach Einbruch der Dunkelheit zu fahren, da es immer wieder zu schweren Unfällen mit Kängurus kommt, die nachts sehr aktiv sind und doch recht unkontrolliert umeinander her springen.
Vor Fahrtantritt werden wir belehrt, ständig einen vollen Kanister Wasser im Auto zu haben und bei jeder sich bietenden Gelegenheit zu tanken, egal wie voll der Tank noch ist.
Bei einer Tagestemperatur von ca. 36'C muss man außerdem darauf achten, dass der Motor bei den langen Fahrten nicht überhitzt und kein Reifen platzt.
Ihr seht, diese Fahrt ist kein Spaziergang ;-)
Und so machen wir uns "todesmutig" auf in Richtung Uluru (=Ayres Rock in der Sprache der Aborigines), eine der heiligsten Stätten der Aborigines.
Nach 500km beschließen wir in Katherine zu übernachten und schon dort erwartet uns die erste Überraschung. Wir fahren, wie empfohlen zur nächsten Tankstelle doch der Tankwart weißt uns höflich darauf hin, dass er heute kein Benzin hat. Merkwürdig! Also weiter zur Unterkunft, erstmal einchecken, Klimaanlage im Zimmer hochdrehen und dann zur nächsten Tankstelle im Ort. Doch dieser Versuch erledigt sich von selbst, da der ganze Ort seit Stunden keinen Strom hat (!!) und somit funktionieren auch die Zapfsäulen nicht. Nun ist das Outback doch recht dünn besiedelt (nächste Tankstelle in über 100km) und so bleibt uns nur zu hoffen, dass der Strom vor morgen wieder kommt und wir volltanken können, um unseren Zeitplan von 6 Tagen zu halten. Glücklicherweise haben wir Stunden später wieder Strom und nach einer langen Schlange an der Tankstelle können wir unsere Fahrt Richtung Süden fortsetzen.
Je weiter wir nach Süden ins Landesinnere vordringen desto weniger Vegetation gibt es. Es wird steiniger und der charakteristische rote Sand bestimmt das Bild.
Wir passieren kleine, unschöne Dörfer und verlassene Farmen und können uns in dieser Umgebung gut vorstellen unter welch widrigen Umständen die Menschen hier früher Viehzucht betrieben haben. Noch heute gibt es im vegetationsreichen Norden Gegenden in denen riesige Rinderherden auf Grundstücken so gross wie Belgien gehalten werden.
Neben all dem "Nichts" führt uns die Fahrt etwas abseits des Highways immer wieder zu unwirklichen Landschaften. So erkunden wir auf unserem Weg zum Ayres Rock, die Steinformationen des Devils Marvels, wo gemäß den Ureinwohnern der Regenbogen entspringt; den wunderschönen McDonald- und Kings Canyon und geniessen in Alice Springs ein deutsches B&B mit eigenem botanischem Garten. An dieser Stelle viele Grüße an Agnes und Marc nach Bejing, die mit uns eine Übernachtung in eine "sehr einfachen" Unterkunft ertragen haben. Dank Euch war es dann doch noch ein wunderschöner Abend.
An dieser Stelle nicht unerwähnt dürfen die Olgas bleiben. Diese zwölf Gesteinsriesen befinden sich ganz in der Nähe zum Ayres Rock und beeindrucken durch ihre schiere Größe. Direkt nach Sonnenaufgang am Ayers Rock bietet sich eine Wanderung durch die Felsformationen der Olgas an, denn wegen der großen Hitze und der Strahlkraft der dunkelroten Felsen, ist die Wanderung ab 11:00 morgens bei 34'C gesperrt.
So eintönig und anstrengend die Fahrt zwischenzeitlich war, ist sie doch eigentlich eine notwendige Erfahrung um Australien wirklich begreifen und erleben zu können. Denn wer mit dem Flugzeug ins Landesinnere rein und raus fliegt, hat die Dimensionen nicht erlebt und die Natur und die Kultur verliert dabei an Besonderheit.
Denn erst wenn man einige Tage durch flaches Buschland bei 36'C gereist ist und urplötzlich vor einem roten Riesenfelsen steht kann man die Faszination um den Ayers Rock verstehen. Dieser 3,6km lange und 348m hohe exponierte Felsen wirkt wie dem platten Umland nicht zugehörend und surreal. Lässt man den gewaltigen Felsen, der mit seiner glatten Oberfläche aussieht als sei "etwas" mit einem großen roten Tuch überdeckt, im Sonnenuntergang auf sich wirken, wird man merkwürdig berührt und wird diesen Moment wohl nicht mehr vergessen wollen. Eigentlich ist es aber nicht mehr als ein großer Haufen rostender Stein. Aber SOOO schön.









