Weihnachten bei Lara Croft

Zu Weihnachten schenken wir uns Heuer ein Weltwunder - zu diesen zählen die Ruinen von Angkor nämlich. Weltweit gibt es wohl kaum eine archäologische Stätte, die so zu faszinieren vermag wie Angkor in Kambodscha. Vom 9. bis zum 15. Jahrhundert war hier das Zentrum des damals mächtigen Khmer-Reiches. Im Dschungel nahe der kambodschanischen Stadt Siem Reap finden sich auf einer unglaublichen Fläche von weit mehr als 200 Quadratkilometern einzigartige Tempelanlagen der wohl größte vorindustrielle Stadt der Welt. Die bekannteste Tempelanlage davon ist Angkor Wat, dass größte sakrale Bauwerk der Welt.

Die Herrscher des Khmer-Reiches sahen sich selbst als Gottkönig. Jeder König ließ sich seine Stadt errichten, in deren Zentrum jeweils ein großer Haupttempel und darüber hinaus oftmals viele kleine Tempel und Heiligtümer standen. Im Gegensatz zu den Holzhäusern der Menschen wurden die Tempel als Wohnungen der Götter für die Ewigkeit und deshalb aus Stein - zum Großteil Sandstein - gebaut. Die Mehrzahl der Tempelanlagen in Angkor war hinduistischen Göttern gewidmet, die meisten dem Gott Shiva.

Ein ausgeklügeltes Netz künstlich geschaffener Kanäle führte Wasser auf die weiten Reisfelder um Angkor. Die Wasserversorgung ermöglichte den Khmer drei mal im Jahr Reis zu ernten und damit eine wachsende Bevölkerung ausreichend mit Nahrung zu versorgen. Es gibt unterschiedliche Theorien, warum die Khmer vor Hunderten von Jahren Angkor als Machtzentrum aufgegeben haben. Die anerkannteste scheint, dass das von ihnen geschaffene Bewässerungssystem, auf welchem der Reichtum der Khmer fußt, versiegte und ein zeitgleicher Waffengang gegen Siam zu viele Ressourcen für den weiteren Ausbau der Kanäle gebunden hat. Daher wanderten die Khmer wohl im 16. Jahrhundert nach Süden ab und gründeten mit dem heutigen Phnom Penh das neue Zentrum.

Vielleicht war dies der heutigen Faszination von Angkor sogar zuträglich. Denn neben der konstruktiven Brillanz der Tempel, deren Symmetrie und deren reichhaltige Verzierung mit aufwendigsten Steinreliefs, fasziniert wohl jeden Besucher auch die so ungewöhnliche "Interaktion" mit dem die Tempel umgebenden Dschungel. Die Natur hat versucht sich in den Jahrhunderten während die Tempelanlagen brach lagen das Land zurück zu erobern. Die hölzernen Profanbauten sind gänzlich verschwunden und die steinernen Tempelanlagen waren bei ihrer Wiederentdeckung Mitte des 19. Jahrhunderts durch die Französische Kolonialmacht weitgehend mit dichtem Dschungel überwuchert. Auch heute noch wachsen Tonnen schwere hohe Bäume förmlich aus den Tempeln heraus und tragen zu deren Zauber mehr als bei. Dies war vermutlich auch ein Grund warum Hollywood diesen Ort für die Filmaufnahmen des Films Tomb Raider mit der Hauptfigur Lara Croft vor einigen Jahren ausgewählt hat.



Das berühmteste und größte Bauwerk von Angkor - die gesamten Ruinen der Region sind seit 1992 Unesco-Welterbe - ist die Tempelanlage Angkor Wat.(folgende Collage unten links) Ihr Bau dauerte vermutlich 37 Jahre und beschäftigte ca. 30.000 Arbeiter. Der Sandstein wurde über Wasserwege, mittels Elefanten und Bambusschlitten aus 80 Kilometer entfernten Steinbrüchen heran gekarrt. Zunächst wurde das riesige Gebäude aus massive Sandstein ohne Mörtel passgenau errichtet. Anschließend wurden die wundervollen Steinreliefs eingemeißelt, welche das komplette Gebäude über und über verzieren. Neben komplexen Darstellungen verschiedener Szenen aus der hinduistischen Mythologie, aber auch aus dem Alltag, finden sich an andere Stelle detailreiche Blumenbänder und wunderschöne Tänzerinnen.

Im ersten Stock der dreistöckigen Anlage findet sich das längste Steinrelief der Welt. Es ist von solch einer handwerklichen Perfektion, dass wir ehrfürchtig davor verweilen und gebannt den Erzählungen des Führers lauschen. Aber auch die bezaubernden "Himmlischen Tänzerinnen" sind alle unterschiedlich und es gibt Hunderte davon zu bestaunen. Dieses Wunder aus Stein ist wirklich umwerfend schön und wir empfehlen jedem sich für den Besuch Zeit zu nehmen und es auf sich wirken zu lassen, dann kann man sich die einstige Pracht von Angkor Wat vielleicht vorstellen.



Angkor Wat fungiert heute als herausragendes nationales Symbol: Es steht repräsentativ für die Kultur der Khmer und des heutigen kambodschanischen Volkes. Dementsprechend häufig findet man Abbildungen von Angkor Wat - so auch auf der kambodschanischen Nationalflagge und jedem Geldschein.

Kambodscha bringt man leider auch schnell mit den "Roten Khmer" in Verbindung.
Die Ideologie der Roten Khmer zielte auf die bedürfnislose Gleichheit der Menschen ab. Drei Jahre, acht Monate und 20 Tage dauerte deren 1975 beginnende Schreckensherrschaft und ihres Anführers Pol Pot. Ihre Vorstellung eines radikal-kommunistischen Bauernstaates kostete mehr als 2 Millionen Menschen das Leben, ca. 20% der damaligen Bevölkerung.
3,5 Millionen Kambodschaner wurden wie Vieh aus der Hauptstadt Phnom Penh aufs Land vertrieben - damit sie für die Partei keine Gefahr darstellten und in der landwirtschaftlichen Produktion eingesetzt werden konnten. Bald sind die Städte des Landes wie ausgestorben. Der Privatbesitz wird abgeschafft, ebenso das Geld und der freie Handel. Innerhalb von knapp vier Jahren lassen die Roten Khmer fast alle Angehörigen des bürgerlichen Mittelstandes ermorden sowie die religiösen und kulturellen Institutionen des Landes - bis auf Angkor - zerstören. Mithilfe der Vereinten Nationen erlangte Kambodscha nach vielen Jahren Bürgerkrieg erst Anfang der 90er Jahre endlich Frieden, doch noch immer finden sich im gesamten Land Mienen und so sehen auch wir immer wieder Hinweisschilder die gekennzeichneten Wege keinesfalls zu verlassen. (wer mehr zu diesem Thema erfahren möchte, hier eine hervorragende Dokumentation in 4 Teilen 1, 2, 3 und 4)

Inzwischen entdecken immer mehr Touristen die Kulturschätze des alten Königreichs für sich und genießen die Ursprünglichkeit der Natur. Auch wir sind begeistert von diesen Schätzen und krönen unseren Ausflug am 24.12. mit einem traditionellen kambodianischen Essen zusammen mit unseren Freunden Agnes und Marc aus Peking, welches uns noch lange in Erinnerung bleiben soll.

Denn nachdem wir nun während unserer gesamten Reise von größeren Unpässlichkeiten verschont wurden und zuvor noch geprahlt haben wie gut es uns geht und wie einfach das Leben mit fremden Essen ist, ereilt uns kurz nach unserer Rückkehr in Thailand eine Lebensmittelvergiftung. Und so verbringen wir abwechselnd unter ärztlicher Aufsicht Tage im Krankenbett.
Glücklicherweise ist Thailand auf solche Fälle gut vorbereitet und wir werden schnell mit Infusion und Antibiotika wieder aufgepäppelt. ;-)



Wieder gesund erkunden wir vier Tage lang Bangkok, die extravagante Hauptstadt Thailands mit fast 8,5 Mio. Einwohnern. Bangkok bietet wieder eine bunte Ansammlung an Einkaufszentren und hier sind die Preise wirklich verlockend. Da wir mit 23kg Gepäck aber schon nah an dem für einfache Flüge zugelassenem Maximum dran sind, können wir nur unsere Silvestergarderobe etwas aufpeppen. Bevor das neue Jahr eingeläutet werden kann besuchen wir noch den mächtigen buddhistischen Tempel Wat Arun, wo die Bangkok 1782 gegründet wurde. Hier ist der Sonnenuntergang mit dem von allerlei Booten befahren Fluß und dem Tempel als gen Himmel strebendes Monument mit der untergehenden Sonne im Rücken besonders schön.


Des Weiteren besuchen wir noch den sehr sehenswerten Königspalast nebst dazugehöriger Tempelanlagen mit dem Smaragd-Buddha. Da aber die Stadt zur Ferienzeit übervoll mit Touristen und Thailändern ist, gleicht der Besuch eher einem Nahkampf mit Fotogefecht und schnell haben wir die Nase gestrichen voll und flüchten. Auf dem Weg ins Hotel verlassen wir die Touristenroute und stehen auf einmal in einem wirklich ursprünglichen Bangkok. Es ist plötzlich ruhig, einfache kleine Häuschen, die typischen Lampions überspannen die Straßen und kleinste Geschäfte bieten alles Nötige für das tägliche Leben. Wir fühlen uns mindestens fünfzig Jahre zurück versetzt und möchten dieses Bild Bangkoks neben all dem Hightechklimbim nicht missen.

In der restliche Zeit bis zum Jahreswechsel genießen wir die Annehmlichkeiten unserer Suite im Sofitel Hotel, auf dessen Dachterrasse wir im 32. Stock ein wundervolles Feuerwerk erleben dürfen. Alles Gute zum Neuen Jahr und weiter geht's nach Indien.



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