Great Ocean Road & Melbourne

Nach 3 Stunden Flug von Alice Springs nach Adelaide erleben wir den Schock unseres Lebens. Ein Temperatursturz von 30'C erwartet uns und wir fühlen uns als hätte man uns nach Schottland gebeamt. Es regnet, hat 7'C und alles ist grün und hügelig. Ein für diese Jahreszeit völlig ungewöhnliches Polartief erreicht ausgerechnet jetzt Australiens Süden und beschert Sydney und Umgebung den ersten Schnee im Oktober seit Wetteraufzeichnung.
Also raus mit den Winterklamotten und auf zur letzten Etappe in Australien. Wir fahren die Great Ocean Road, die sich entlang der Südküste von Adelaide nach Melbourne schlängelt. Zwar zeigt sich während dieser beeindruckenden Fahrt immerhin die Sonne aber es bleibt kalt.


Adelaide bietet sehr interessante Museen, insbesondere die Art Galerie of South Australia hat es Jochen angetan. Und wie sich herausstellt, haben wir am Vortag auf der Busfahrt vom Flughafen in die Stadt zufällig den Witwer einer bekannten Künstlerin kennen gelernt, deren Lebenswerk dort gerade ausgestellt wird. Somit bekommt der Besuch fast etwas familiäres, aber auch die Gemälde von Anna Platten sind bezaubernd schön.
Selbstverständlich besuchen wir auch das älteste deutsche Dorf in Australien: Hahnsdorf. Dort gibt es auch ein "Kaffeehaus" und der Bezug zu unseren lieben Freunden aus Oldenburg ist schnell hergestellt, Hahnsdorf Kaffeehaus, alles klar!? Viele Grüße an Nadine und Alexander.


Nachdem wir einigen kurze aber schönen Wanderungen im Grampions NP unternommen haben, kommen wir uns nun wirklich vor wie in Nordengland und verwirren unsere Familien mit Fotogrüßen aus Schottland. Also weiter Richtung Süden in der Hoffnung, dass das Wetter besser wird. Die Nacht verbringen wir in Port Fairy, in einem für australische Verhältnisse uraltem Gebäude von 1860 in dem sogar ein Geist umhergehen soll. Wie der Zufall es will treffen wir am Abend in der Kaffeeküche einen alten Fischer, der in der fünften Generation im nahen Apollo Bay Langusten fischt. Nun wissen wir vielen über die Jagt nach Schalentieren; besonders macht die Begegnung aber, das der scheinbar vernünftige und hartgesottene Mann berichtet, er führe nicht alleine sondern mit zwei "Spirits" zur See, welche ihm tagtäglich Gesellschaft leisten. Heute Nacht wird unsere Zimmertür abgeschlossen, kann ja nicht schaden. :-)

Auf unserer Fahrt entlang der Küste passieren wir die berühmten 12 Apostel, dies sind genau genommen aber nur ZEHN im Meer freistehenden Felsen. So beeindruckend diese auch sind, die Mengen der Touristen die diese besuchten als wir dort waren ist uns unverständlich und stört. Aber im Glaskasten soll man ja nicht mit Steinen werfen.
Dann endlich, nach unsere ersten und bisher einzigen Übernachtung in einer YHA (Jugendherberge!), sehen wir sie am Cape Ottway auf einmal doch noch in den Bäumen: KOALAS. In der freien Wildbahn, ganz nah und einfach zu putzig.


Lars ist ein guter Freund von Christiane und nachdem er nun schon seit sechs Jahren in Australien lebt, freuen wir uns sehr ihn und seine junge Familie, die bezaubernde Jess, die süße Amelie (14 Monate) und ihre beiden Hunde endlich mal in Melbourne zu besuchen. Und so erleben wir Melbourne aus der Sicht Einheimischer und sind wie bei Sydney wieder sehr beeindruckt von der augenscheinlichen Lebensqualität Australischer Großstätte. Von der Aussichtsplattform des Eureka-Tower bekommen wir einen guten ersten Eindruck über die Vielfältigkeit Melbournes, die wir in den kommenden Tagen noch erleben dürfen. Urbane Apartmenthäuser am Strand der gewaltigen Bucht, ein mit modernsten Hochhäusern gespicktes Zentrum am Fluß und großzügige Einfamilienhäuser Richtung Landesinnere ergeben eine tolle Mischung, in der wohl jedes Lebenskonzept sein adäquates Stadtviertel finden kann. Aber sportbegeistert muß man in Melbourne einfach sein bzw. werden, denn die Anzahl der Sportstadien und die Jogger im Botanischen Garten zur Mittagszeit zeugen von dem Bewegungsdrang der mehr als vier Millionen Einwohner. Sonst scheint Melbourne geschäftig und die Menschen sind eher modisch schick und weniger sportlich gekleidet als im sonst so lässigen Australien.
Um dieses Land und seine Kultur verstehen zu können, empfiehlt sich unbedingt ein Besuch des Immigration Museum, welches die gesellschaftliche Entwicklung aus der Zuwanderung sehr prägnant darzustellen vermag. Anschließend ist vieles von dem klarer, was wir in den letzten fünf Wochen in den australischen Medien gesehen haben. Eine durch Zuwanderung entstanden Gesellschaft ist wirklich bereichernd, wenn diese wie in Australien durch gegenseitige Toleranz ermöglicht wird.
War Sydney stark amerikanisch und asiatisch angehaucht, scheint Melbourne europäischer und vielleicht liegt es ja nicht nur an unseren ortskundigen Führern, das wir in Melbourne besser gegessen haben. Aber vielleicht war unser Gaumen auch einfach nur vier Tage lang in Trance, nachdem wir bei unserer Ankunft von Jess und Lars mit australischem Steak, thüringischem Born-Senf, lokalem Rotwein und Antenne Thüringen im (Web-)Radio überrascht werden. Ganz vielen lieben Dank für die liebevolle Fürsorge, die kulinarischen Highlights und die hervorragender Unterbringung. Unvergessen wird das Dinner bei Donovan bleiben, welches die kulinarische Krone unserer Australienreise bildet.
Wir sind noch mal richtig verwöhnt worden bevor es für die nächsten vier Wochen in Neuseeland "Schlafen im Campervan" heisst ;-)


Abschließend wieder ein paar lokale Eigenarten die wir nach sechs Wochen Australien lächelnd an Euch weiter geben wollen.

- Don't stop the engine, it may not restart.
Die großen Geländewagen der Australier scheinen keine guten Starter zu haben ;-) Das Auto läuft, solange man in diesem sitzt. So haben wir beispielsweise öfters beobachtet, dass selbst bei einem sehr langem Telefonat bei angenehmen Temperaturen der V8-Motor an bleibt, um dann nach dem Telefonat ausgeschaltet zu werden und das Auto zu verlassen. Skurril, die Deutschen Autohersteller bauen hingegen Start-Stop-Automatiken in ihre PKW ein ;-)

- The more stuff you carry the better camper you are.
Dieses Zitat stammt von unserem Tourguide auf Fraser Island. Es ist einfach unglaublich war die Aussis alles mitschleppen wenn sie in der Natur schlafen. Solaranlagen, TV, Wäschespinnen, Australische Nationalfahne im eigenen Land nebst Fahnenmast und natürlich, Angeln, Kajak, Wohnanhänger zum aufklappen usw. Lustig.


- Lebende Ampelmännchen.
Wem sein aktueller Beruf zu stressig ist und wer mit 80$ Stundenlohn zufrieden ist, der sollte eine Bewerbung als Ampelmännchen, in Australien liebenswert "lollipop-man" genannt, in Betracht ziehen. Deren Aufgabe ist ein Schild zu halten und dieses gelegentlich zu wenden. Für jede Straßenbaustelle in diesem riesigen Land braucht es übrigens jeweils zwei!


- Im Restaurant muss man eine Nummer ziehen
Im Restaurant ist Service am Tisch weitgehend unüblich. Man bestellt das Essen am Tresen und bekommt eine Nummer nebst Ständer. Sobald dieses fertig zubereitet ist, bekommt man es gebracht oder muß es sich gar selbst an der Essensausgabe abholen. Unser Meinung: Make waiter not lollipop man!

- Woran erkennt man einen deutschen Tourist in einem Mietwagen?
Antwort: Er macht den Scheibenwischer beim Abbiegen an.
In Australien ist Linksverkehr. Klar die Queen von England ist ja auch immer noch Staatsoberhaupt. Aber das Setting der Mietwagen hingegen ist nicht einheitlich, so ist beim VW Golf nur das Lenkrad auf der rechten Seite; Blinker und Scheibenwischer hingegen sind so wie in Deutschland platziert. Mietwagen anderer Hersteller, meist Asiaten, vertauschen auch noch die Hebel für Blinker und Scheibenwischer. D.h. der Blinker ist nun rechts und der Scheibenwischer links. Dies führte zwar bei uns zu sauberen Scheiben doch auch zu einer für andere Verkehrsteilnehmer überraschenden Fahrweise, da wir versuchen mit dem Scheibenwischer den Richtungswechsel zu initiieren. Dies ist insbesondere für den jeweiligen Beifahrer sehr lustig. ;-)

Bye Bye Australia.

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