Waldmenschen...

Nach so viel Idyll und Harmonie in Neuseeland sind wir nach 17 Stunden völlig geschafft in der schwülen Hitze von Jakarta angekommen. Uns erwarten Menschenmassen, die auf uns zustürmen und sich freundlich anbieten uns die Koffer aus der Hand zu nehmen, um uns für möglichst viel Geld ins Hotel zu bringen. Dies überfordert uns bald und wir steigen zügig ins erste Taxi, um nur schnell weg von hier und ins Hotel im Stadtzentrum dieses 9 Millionen Molochs zu kommen. Jakarta ist eine quirlige Großstadt, mit viel Verkehr und keinen herausragenden Sehenswürdigkeiten, aber mit dem besten Nachtleben in ganz Indonesien, wie uns der freundliche Flugbegleiter von Quantas am Flughafen mitteilt und uns noch schnell zum Party-machen einlädt.
Im Hotel angekommen wollen wir endlich schlafen, denn schon am nächsten Morgen geht unsere Reise ins unbekannte Indonesien weiter.

Vor vier Wochen hatten wir noch keine Ahnung davon wo Kalimantan eigentlich liegt. Geplant war nur, dass wir auf unserer Reise durch Indonesien und Malaysia die letzten in freier Wildbahn lebenden Waldmenschen, die Orang-Utans, sehen wollen.
Der Reiseführer erwähnte in diesem Zusammenhang eben auch Kalimantan und dass man hier noch Abseits von Touristenströmen den Menschenaffen recht nah kommen könne.
Kalimantan ist der indonesischen Teil der Insel Borneo, welche eine Flugstunde nördlich von der Hauptinsel Java liegt. Hierbei sei kurz erwähnt, dass sich Indonesien über ein Archipel aus ca. 17.000 einzelnen Inseln erstreckt. Die 240 Mio. Einwohner Indonesiens leben auf etwa 7.000 dieser Inseln, die Hälfte alleine auf Java.

Borneo ist etwa doppelt so groß wie Deutschland und nach Grönland und Neuguinea die drittgrößte Insel der Welt.
Deren Fläche ist aufgeteilt unter Indonesien (2/3), Malaysia und dem Sultanat Brunei.
Da nach Kalimantan wenige Touristen kommen und die Infrastruktur beschränkt ist, engagieren wir uns einen Guide, statt alleine auf die Pirsch zu gehen.
Schon mit dem Flug von Jakarta nach Pangkalan Bun beginnt das Abenteuer. Kurz erschleicht uns beim Anblick des mindestens 30 Jahre alten Fluggerätes der Reflex alles abzublasen und umzukehren. Als die einzigen Ausländer im Flugzeug fallen wir auf und bekommen weil wir sooo groß sind die Plätze am Notausgang. Wir kommen ins Gespräch mit unserem Sitznachbar, der als Regierungsvertreter öfter die Strecke fliegt und gewinnen dabei etwas Zuversicht. Im Grunde ist es doch auch schön in einem der ersten Jet-Flugzeuge zu fliegen die Boeing auf den Markt gebracht hat. ;-)
Und nachdem wir das aufziehende Gewitter gekonnt umflogen haben, landen wir sicher irgendwo im Nirgendwo auf Kalimantan.
Ihr seht, wir sind mittlerweile abgehärtet und nicht mehr so leicht aus der Ruhe zu bringen.

Dann geht alles ganz reibungslos. Wir werden vom Guide abgeholt und binnen einer Stunde sind wir im Hafen von Kumai, besteigen unser Hausboot (Klotok genannt) und machen uns auf den Weg in die Tiefen des indonesischen Regenwaldes.

Borneos Regenwald war riesig. Noch vor wenigen Jahren befand sich hier zehn Prozent allen noch existierenden Regenwaldes weltweit. In den letzten Jahrzehnten hat sich die Situation der tropischen Regenwälder in Borneo drastisch verschlechtert. Abholzung und Brandrodung verwandelten die einst artenreichen Regenwälder in Graswüsten und Ölpalmen-Monokulturen. Palmöl wird zum Beispiel in Hautcreme, Seife, Kerzen, Farben und als Biokraftstoff genutzt.
In Indonesien soll jährlich eine Fläche von der Größe der Schweiz abgeholzt werden. So war das große Borneo Mitte des 19. Jahrhunderts noch fast vollständig bewaldet, inzwischen sind es nur noch rund 50 Prozent.
(für mehr Infos ;-))

Auf unserem Programm stehen drei Tage Bootstour auf dem Sekonyer River durch den geschützten Regenwald des Tanjung Puting National Park.
Der National Park erstreckt sich über 3.000 km² im Süden Kalimantans und ist der wichtigste Lebensraum der noch lebenden Orang-Utans. Mit uns auf dem Klotok-Boot ist Chris, unser Guide, eine Köchin und der Kapitän sowie ein Schiffsjunge.
Während der Schifffahrt entspannen wir auf Deck des Hausbootes und genießen die dichte Flora und Fauna. Im Tanjung Puting National Park gibt es neben den Orang-Utans auch noch andere Affenarten, wie z.B. Nasenaffen und Langschwanzmakaken.



Der Tanjung Puting National Park beherbergt mehrere Stationen eines Rehabilitations- und Forschungszentrums in dem zahlreiche Orang-Utans aus Gefangenschaft erfolgreich ausgewildert wurden. An manchen Stellen im Park werden diese semi-wilden Tiere noch regelmäßig gefüttert und somit hat man eine gute Möglichkeit die Orang-Utans aus nächster Nähe zu beobachten. Im Grunde ist der Dschungel zwar reichhaltig mit all den Dingen gefüllt die die Primaten so benötigen, vor allem Früchte. Sowohl zur Bestandskontrolle, aber auch um die Erfolgschancen für die wenigen Touristen zu erhöhen, werden die Orang-Utans dennoch einmal täglich mit einer monotonen Diät gefüttert. Die Ranger bietet bewußt keine abwechslungsreiche Kost, da dies der Auswilderung der Tiere zuwider laufen würde.
Zu den semi-wilden gesellen sich dann oft auch wilde Orang-Utans, um ein paar einfache Bananen zu bekommen.
Die Fütterungsplattformen werden aber auch gerne von anderen Tieren besucht, so beobachten wir Wildschweine, kleine Eichhörnchen und andere Affen die sich die ein oder andere Banane greifen.

Nach zwei Stunden Fahrt erreichen wir das erstes Ziel und los geht es.
Wir folgen dem Ranger, der laut rufend und mit einem reichhaltig gefüllten Korb ca. 20 Minuten durch den Dschungel in Richtung Fütterungsplattform läuft.
Und tatsächlich kann man Bewegung in den Bäumen wahrnehmen, die riesigen Primaten kommen. Da sind sie, die Waldmenschen! Einer Legende nach dachte man bei deren Entdeckung es seien Eingeborene und gab ihnen damals diesen Namen: Orang-Utan - Waldmensch!
Wir sind tief beeindruckt von der scheinbaren Leichtigkeit mit der sie die Baumgipfel durchstreifen, ihrem ruhigen Gemüht und den großen dunklen, liebevollen Augen.
Es ist schwer in Worte zu fassen, wie wir uns bei der ersten Begegnung fühlen. Die Faszination sollte man einfach selbst erleben! Gänsehaut pur...







Besonders die Jungtiere sind wirklich sehr süß. Sie weichen ihrer Mutter auf dem Boden keine Sekunde von der Seite und haben immer eine Hand in Ihrem sicheren Fell, sollte es schnell weiter gehen. In den Baumwipfeln dagegen, sind sie neugierig und begeben sich auch schon mal allein auf Erkundungstour, natürlich immer in Sichtweite zur Mutter.



Die Übernachtung im Dschungel erfolgt gewöhnlich auf Matratzen am Oberdeck des Hausbootes. Aufgrund der bestehenden Gefahr von Malariaübertragung durch die nachtaktiven Moskitos, entscheiden wir uns für die Unterbringung in einer schönen Eco-Lodge. Sehr glücklich und zufrieden sinken wir unter unser Moskitonetz und freuen uns auf den nächsten Tag mit weiteren Waldmenschen.




Die Begegnungen sind einzigartig und so bleibt Christiane schon kurz das Herz stehen, als eines der Jungtiere auf uns zu läuft und um ihre Hand bittet. Immerhin können Orang-Utans eine Länge von bis zu 1,75 Metern erreichen und wiegen dann etwa 110 Kilogramm. Aber dieser ist noch recht klein und ganz brav und beäugt nur neugierig die fellfreie Hand.
Nach einem weiteren Tag voller wunderbarer Beobachtungen geht unsere Reise in Kalimantan auch schon wieder zu Ende und auf uns wartet der Rückflug nach Java.

Allerdings fallen uns am Hafen von Kumai diese schrecklichen, fensterlosen Hochhäuser auf und wir fragen unseren Guide wozu diese Betonklötze denn genutzt werden. Er berichtet, dass diese Verunstaltung der Landschaft einen ganz "genussvollen" Grund hat.




Es gibt auf der Welt die unterschiedlichsten Dinge, die keiner von uns für essenswert hält - aber anderen Ortes stehen diese eben als Delikatesse auf der Speisekarte. So gilt in China die Vogelnestersuppe als Spezialität.
Es handelt sich dabei um die Nester von Salanganen, einer Schwalbenart. Sie bestehen hauptsächlich aus eiweißreichem Speichel, dem Nestzement, der eine hell durchscheinende Masse bildet.
Viele Chinesinnen glauben, dass die gelatinöse Substanz der Nester sehr gut für die Erhaltung ihrer Jugend ist, da sie angeblich die Kollagen-Produktion anregt. Auch soll der Verzehr das Immunsystems unterstützen und als Aphrodisiakum förderlich sein.
Da es in China diese Schwalbenart aber kaum mehr gibt, werden zunehmend Nester aus den umliegenden Ländern importiert. So lebt die kleine Stadt Kumai, überwiegend vom “Anbau” der Nester in den “Schwalbenfarmen”. Und erst jetzt fällt uns auch das lautstarke Gezwitscher am Hafen auf. Aber dieser Gesang stammt nicht von den Vögeln direkt, sondern wird über Lautsprecher verbreitet, um die Schwalben anzulocken und zum Netzbau in den Vogelhäusern aus Beton zu animieren.
Die Stadt hat ca. 30.000 Einwohner, die Zahl der Schwalben dürfte beim 10-fachen liegen. Ein Kilogramm Nester wird in China mit bis zu 3.000 Dollar gehandelt und in 2009 betrug der Umsatz auf dem Weltmarkt über 220 Millionen Dollar, so dass dies eine wichtige Einnahmequelle für die armen Region ist.
Wir finden es eher befremdlich, aber auch hier schafft die Nachfrage eben ihr Angebot.
Na dann, guten Appetit!

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