Aloha heeeee....
Zwischenzeitlich sind wir wieder zurück in Deutschland und unsere Reise scheint schon zu weit in die Ferne gerückt. Gerade darum möchten wir nicht versäumen, Euch über unseren grandiosen Aufenthalt auf den hawaiianischen Inseln zu berichten.
Die Reiseplanung war eine echte Herausforderung, denn mal eben nach Hawaii fliegen und vor Ort eine Unterkunft suchen, ist kaum möglich. Die Inseln sind voll mit Touristen und alles scheint ausgebucht. Also mussten wir unsere Hotels diesmal im Voraus buchen und konnten uns aufgrund der aufgerufenen Preise schon von vorn herein von unseren Budgetvorgaben verabschieden. Hawaii ist exklusiv und teuer. Aber irgendwie ahnen wir, dass eine sehr spannende Zeit voller besonderer Momente vor uns liegt und die Stichworte „rote Lava“, „Schnorcheln mit Mantas“, „Wellenbrecher“ und „German Cheesecake “ sollen Eure Vorfreude auf diesen vorletzten Blogeintrag lediglich steigern. Also folgt uns in ein weiteres Paradies.
An den doch recht kalten Tagen in China haben wir uns nach Wärme gesehnt und jetzt endlich ist es wieder soweit. Da wir erneut die Datumsgrenze überspringen, kommen wir nach einem langen Reisetag von Shanghai mit mehrstündigem Aufenthalt in Tokio früh morgens am gleichen Kalendertag in Honolulu an. Und Hawaii hält, was es in unseren Vorstellungen verspricht und empfängt uns mit angenehm sommerlichem Klima, sehr freundlichen Menschen und echtem Südseefeeling. Die zur Morgenstunde, mitten im Pazifik, schon 23°C warme Luft im schönen Flughafen riecht nach Meer, überall sind Blüten, die Menschen tragen lässige Kleidung und die amerikanische Freundlichkeit gewinnt durch das obligatorische „Aloha“ an Exotik.
Der große Jeep Mietwagen lässt sich entspannt auf den breiten Straßen durch Honolulu steuern. Wir haben einen Wagen für vier Personen gewählt, denn gleich am ersten Abend gibt es ein freudiges Wiedersehen. Christianes Eltern, Iris und Lutz, werden gemeinsam mit uns Hawaii genießen.
Die Inselgruppe Hawaii besteht aus acht Hauptinseln, von denen wir vier besuchen werden. Die Hawaiianischen Inseln sind das vulkanische Ergebnis eines sogenannten Hotspots. Mit eigenen Worten laienhaft erklärt ist dies ein stationärer Magma Punkt in der Erdkruste. Über diesen glühend heißen Punkt schiebt sich die Pazifische Platte in einer für uns nur schwer vorstellbaren Langsamkeit. Es ist als ob man eine gespannte Tischdecke unregelmäßig über eine brennende Kerze zieht und gelegentlich ein Brandloch entsteht. An diesen Brandlöchern bilden sich mächtige Vulkane, die so weit wachsen, dass vom Meeresboden aus hohe Berge entstehen, welche dann, nachdem sie aus dem Meer ragen, zu Inseln werden.
Irgendwann schob sich die Pazifische Platte dann weiter gen Nord-West und die nächste Hawaiianische Insel entstanden. Die Natur findet dann über das Meer und den Wind Ihren Weg auf die Vulkaninseln und die Vegetation beginnt. Die Forscher gehen davon aus, dass in den Jahren bis zur Entdeckung der Inseln durch den Menschen alle 10.000 Jahre eine Spezies ihren Weg auf die Inseln gefunden hat. Die Evolution hat daraus in Hawaii auch einmaliges hervorgebracht und so gibt es einige endemische Arten. Selbstverständlich sind diese heute sehr gefährdet, hat doch die Zivilisation einige dominante Arten eingeführt. Am unerwartetsten waren für uns die Hühner. Ja genau, (Italienische) Hühner sind auf allen Inseln allgegenwärtig. Als ob Hawaii ein großer Bauernhof wäre. :-) An den alten Vulkaninseln arbeitet dann in den Millionen Jahren der Zahn der Zeit und formt die Inseln, bis diese irgendwann in weiter Zukunft wieder im Meer versinken.
Wir beginnen unsere Reise auf Oahu. Obwohl nicht die größte, ist Oahu die Hauptinsel. Hier leben dreiviertel der gesamten 1,3 Millionen Einwohner, dort befindet sich die Hauptstadt Honolulu und der internationale Flughafen. Aber Oahu ist mehr als eine Durchgangsstation für die Nachbarinseln sondern bietet selbst Einmaliges: Surfen auf den Riesenwellen der Nordküste, Wandern an dem schmalen schroffen Klippen, Schnorcheln in der geschützten Hanauma Bay und natürlich der obligatorische Sunset-Drink in Waikiki.
Der berühmte Strand von Waikiki mit seinen schönen Menschen, die sehen und gesehen werden wollen und Honolulu als einzige Stadt auf den Inseln mit großstädtischem Flair, locken Besucher aus aller Welt. Hauptsächlich Japaner die hier ihren schwachen Yen unter die Leute bringen. Hochhäuser, Restaurants und Bars reihen sich um die Bucht und bieten Platz für viele Besucher. Mehr als ein Paar Flipflops, eine lässige Shorts und ein Hawaiihemd sind hier für einen perfekten Urlaub nicht nötig. Wer in Hawaii im Anzug oder Abendkleid unterwegs ist, wirkt eher overdressed. Auch in feineren Restaurants gilt ein legerer Chic als angemessen. Die Stadt ist sehr entspannt und selbst die vielen Hotels im Kastenformat tun dem Urlaubsfeeling, welches durch die Gassen weht, keinen Abbruch. Honolulu ist mit Sydney sicher die entspannteste Stadt auf unserer Reise.
Nicht das hier ein falscher Eindruck entsteht. Auf Oahu kommen auch die Liebhaber von Natur und Landschaft voll auf Ihre Kosten. Fährt man nur ein paar Kilometer aus der Stadt raus, zeigt sich Oahu schon von seiner schönsten Seite. Saftig grüne Steilwände laufen sanft in den kobaltblauen Pazifik aus und werden von Buchten mit ausgesprochen ruhigen goldgelben Sandstrände und angenehm warmen Wasser unterbrochen.
An jeder Ecke stehen kleine Imbisswagen, welche die besten Garnelen und würzige Maiskolben anbieten. Prachtbauten mit zum Meer zugewandter Veranda laden zum Verweilen ein und die Farbenpracht der ganzjährig blühende tropische Pflanzenwelt machen es uns nicht schwer Entspannung zu finden. Leben im Urlaubskatalog also. Insbesondere Iris und Lutz, die aus dem kältesten Winter seit Jahren aus Deutschland geflohen sind und als blütenweißer Kontrast zu den gebräunten Einheimischen hervorstechen, genießen die immerzu warmen Temperaturen. Mit tagsüber bis zu 27°C ist es angenehm warm und kühlt nachts soweit ab, dass keine Klimaanlage für eine geruhsame Nacht von Nöten ist. Und so erkunden wir die Insel mit unserem Mietwagen und man möchte an jeder Ecke anhalten um das nächste atemberaubende Foto zu machen. Wir besteigen den Diamondshead, ein alter Vulkankrater, um den grandiosen Ausblick auf Honolulu zu genießen. Wir beobachten Meeresschildkröten die dösend am Strand ein Mittagschläfchen halten. Und wir baden im kristallklaren Wasser am Laniki Beach.
Etwas verwundert sind wir allerdings über den Hype der um das Shaved-Ice gemacht wird!?! Den Männern schmeckt das mit Farb- und Aromastoffen getränkte zerstoßene Eis so „gut“, dass sie es den Hühnern hinter der Eisdiele anbieten. Diese und die Hawaiianer lieben es - andere Länder, andere Sitten. Oahu ist traumhaft und bietet die perfekte Mischung aus entspannter Großstadtidylle in Waikiki und wunderbarer Natur. Hier lässt es sich aushalten und nach vier Tagen sind wir gespannt, was uns auf den anderen Inseln noch alles erwartet.
Die nächste Insel ist Maui und schon allein die kurzen Flüge über das tiefblaue Meer sind wunderschön. Da wir in Oahu einen Bungalow direkt am Strand gemietet hatten, wurden wir dort durch die sanfte Meeresbrandung in den Schlaf begleitet. In Maui wohnen wir für vier Nächte in einem kleinen B&B im Inneren der Insel und werden dafür nun morgens von dynamischem Vogelgezwitscher geweckt. Maui ist eine Insel von Gegensätzen. In der Mitte der Insel ragen hohen kahle Vulkane in den Himmel, die mit dichter, hellgrüner Vegetation überspannt als liebliche Badestrände an der Küste enden. Und obwohl am Meer einige für unser Budget überzogene Traumhotels zu finden sind ist der Rest der Insel durch landwirtschaftliche Dorfstrukturen geprägt.
Die Entstehungsgeschichte Mauis wird bei einem Blick auf die beiden Inselteile und ihre Vulkane deutlich: lm Westen erhebt sich seit rund zwei Millionen Jahren der 1.764 Meter hohe Puu Kukui, der im Laufe der Jahrtausende stark erodierte und den Westen prägt. Sein Gegenstück im Osten ist der jüngere und um einiges höhere Haleakala, der mit 3.055 Metern Höhe den größeren Teil Mauis formt. Wenn man ihn vom Meeresgrund vermisst, dann ist der Haleakala über 9000m hoch. Was dann auch heißt, dass der Pazifik unmittelbar um Maui 6.000m tief ist!
Der Höhepunkt unseres Besuchs auf Mauis wird der Sonnenaufgang auf dem Haleakala. Wir machen uns gegen 4:30 Uhr auf den Weg zum Gipfel. Der Reisführer empfiehl Skianzug oder einen dicken Schlafsack anzuziehen. Wenn dies nicht vorhanden, soll man das Bettzeug und alle Decken vom Hotel mitnehmen, da die Temperaturen hier oben leicht unter 0°C fallen und eine sehr steife Brise weht. Glücklicherweise haben wir unsere Thermohose und Winterjacke aus China noch nicht entsorgt, denn die sind tatsächlich von Nöten. Vor lauter Kälte frieren uns die Finger ein und sogar das Abdrücken des Auslösers fällt ungewohnt schwer. Es ist saukalt und wir können uns nur schwer vorstellen, dass heute noch Badeprogramm geplant sein soll! Doch nirgends geht die Sonne schöner auf und wer zu nachtschlafender Zeit diesen Vulkan besteigt wird hin und weg sein.
Nach dem verträumten Sonnenaufgang über den Wolken geht es wieder zurück an die Küste zur Walbeobachtung. Und tatsächlich, man kann die Buckelwale springen und Fontänen in den Himmel blasen sehen. Sehr beeindruckend. Iris ist ganz und gar im Walfieber und vom Fernglas gar nicht mehr weg zu bekommen. Wir genießen unser Picknick am Meer und die wärmeren Gefilde. Immer geht ein kleines Lüftchen, gelegentlich auch ein stärkerer Wind der Hundertschaften zum Surfen einlädt.
Weltberühmte Surflegenden kommen nicht ohne Grund auf Maui und an der Nordküste wird jedes Jahr um eine bestimmte Zeit eine Riesenwelle mit großen Erwartungen herbeigesehnt. Und wer es schafft diese halsbrecherische Welle zu surfen gehört schon zu den ganz Großen in der Surferszene. Wer aber in Maui aufs Surfbrett steigen möchte braucht nicht nur jede Menge Mut. Auch Revierrestriktionen sind aus Sicherheitsgründen keine Seltenheit und so sollte nicht jeder Tourist einfach mal eben aufs Brett steigen. Wir genießen die hohe Brandung am Strand.
Jochen und Lutz lernen von den Einheimischen das Bodysurfen und wie Man(n) am weitesten die enormen Wellen abschwimmt ohne von den mächtigen Wassermassen auf dem Sand ein ungewollt intensives Peeling zu bekommen. Es gilt sich knapp unterhalb der sich überschlagenden Welle zu positionieren. Dann springt man sozusagen mit etwas Schwung in die Schaumkrone und lässt sich dann graulend viele Meter weit von den Welle tragen - wundervoll dieses Spiel mit den Elementen. Dies zu lernen hat aber etwas gedauert, wie die Schrammen an Rücken und Knien noch einige Tage eindrucksvoll bezeugen; hat aber dennoch gewaltig Spaß gemacht.
Am nächsten Tag erkunden wir mit dem Mietwagen das ländliche Maui. Die berühmten Road to Hana ist eine am Berg „klebende“ Serpentinenstraße mit ungefähr 600 Haarnadelkurven, über 50 einspurigen Brücken und engen Ortschaften. Üppige Urwälder, tosende Wasserfälle und tiefschwarze Sandstrände machen die Fahrt zu einem wahren Abenteuer und unvergesslichen Erlebnis. Anders als in Oahu ist hier die Landschaft nicht von Palmen geprägt, sondern von weiten Feldern, sanften Hügeln und steilen Küsten. Es erinnert ein wenig an Südengland mit sehr angenehmen Temperaturen.
Bei einem Badestop kommen wir auch erstmals in den Genuss mit einer Meeresschildkröte zu schnorcheln und diese sogar zu streicheln. Sehr berührend. Der abschließende Sonnenuntergang am Strand mit Bier und Chips wird durch die in der Bucht springenden Buckelwale noch romantischer und wir sind very relaxed.
Weiter geht unser Inselhüpfen auf Big Island, diese Insel heißt offiziell eigentlich Hawaii.
Die jüngste Insel der hawaiischen Inselkette ist nicht nur die größte, sondern wächst dank aktiver Vulkanaktivität noch immer weiter. Ihr Erscheinungsbild unterscheidet sich deutlich von den anderen Inseln. (Denn in Big Island arbeiten die Vulkane noch.) Big Island ist daher geformt wie ein riesiger, flach ansteigender Hügel. Dieser Hügel ist am Gipfel des Vulkans Mauna Kea allerdings bis zu 4.205 Meter hoch! Durch die produktiven Lavaströme entsteht ständig neues Land. Und ja, wir werden diese Entstehung hautnah erleben dürfen. Wegen der weitläufigen Dimensionen von „BIG“ Island haben wir zwei Unterkünfte gebucht. Zunächst wohnen wir zwei Nächte in einem sehr romantischen alten Landhaus hoch oben beim Hawai’i Volcanoes National Park.
Auf dem Weg dorthin besichtigen wir die Überreste eines Lavastroms der sich 1988 seinen Weg zum Meer mitten hindurch, durch das Dorf Kalapana gesucht hat. Es ist schon bedrückend zu sehen, wie die Straßen auf einmal vor einem kohleschwarzen, bizarr erstarrten Lavahaufen enden. Es sieht aus, als hätte ein Riese einen großen Eimer Teer auf eine Modelleisenbahnlandschaft gegossen und alles was dem im Wege stand, wurde verglüht. Aber genau für die Berührung der Urgewalten sind wir ja hier. Am nächsten Tag wandern wir den wunderbaren Kilauea Iku Trail, welcher quer über einen noch immer warmen Lavateich führt. Der Kilauea brach 1959 spektakulär aus und erzeugte dabei bis zu 600 Meter (!) hohe Lavafontänen, die mehrere Quadratkilometer bedeckten. Während die Lava erkaltete, brachte sie den großen Krater zum Vorschein. Auf am Weg ausgestellten Fotos wird die Lavafontäne zum vergleichsweise kleinen Empire State Building in Bezug gesetzt. Beim Abstieg in den 140m tiefen Kraters überkommt uns ein andächtiges Gefühl ob dieser Gewalten unter unseren Füßen.
Aber auch sonst gibt es im Hawai’i Volcanoes National Park viel zu entdecken. Mit Taschenlampe bewaffnet klettern wir durch eine Lavaröhre und lassen uns vom Wasserdampf aus Erdspalten die Sonnenbrillen vernebeln. Mit einem Sonnenuntergang der besonderen Art endet ein weiterer erlebnisreicher Tag. Bei einsetzender Dunkelheit erleuchtet der Lavasee , der im Haleme’uma’u Krater vor sich hinblubbert, den Himmel über sich granatapfelrot und zeigt damit, wie nah uns das glühende Gestein hier auf Big Island ist.
Doch der kommende Tag soll alles bisherige in Sachen Lava erlebte kalt aussehen lassen. Wir fahren mit einem Spezialboot aus Aluminium an der Küste Hawaiis entlang. Die Wellenberge sind imposant und die 45-minütige Fahrt wird eine echte Rüttelpartie mit Salzwasserdusche. Von einem Einheimischen wissen wir, dass sich seit 28 Tagen an einer Stelle die Lava mit dem Meer treffen soll - aber eine Garantie gibt es natürlich nicht! Die coolen Bootsleute sind -mit und für uns- auf der Suche nach einem Ausfluss Roter Lava. Eine hohe Wasserdampfsäule kündigt weithin sichtbar den Kampf Feuer mit Wasser an und tatsächlich haben wir das Glück: aus kohleschwarzem Fels ergießt sich rotglühende Lava in baumdicken Strömen in den tiefblauen Pazifik, der mit weißem Wasserdampf zischend nachgibt und mit der nächsten Welle zurück beißt. Das Meer faucht kochend, auf der Wasseroberfläche schwimmen wackersteingroße Lavabrocken und die Hitze der roten Lava ist auch noch viele Meter entfernt spürbar. Der schwefelhaltige Wasserdampf riecht fast wie Schweiß, als würden der Kampf der Elemente diese anstrengen. Was für ein Drama!
Unser Kapitän jongliert das Boot gekonnt im starken Wellengang ganz nah am hitzigen Ufer und vor lauter Begeisterung vergessen wir unsere einsetztende Seekrankheit. Zum Abschluss fischt unser Bootsmann noch einen Eimer Wasser aus dem Meer, welches mit ca. 40°C perfekte Badewannentemperatur hat. (Ein Tipp: Am Tag bietet sich ein besserer Blick auf die Naturgewalten als in der Nacht, in der man nur rote Punkte sieht.) Die Bootsfahrt zurück ist noch ruppiger, dennoch fahren wir sehr glücklich ob des Erlebten ins nächste Quartier an die liebliche Westküste von Big Island bei Kailua-Kona. Nach den Anstrengungen der letzen Tage gönnen wir uns mal einen Tag am Strand.
Am sanften gelben Sandstrand des Mauna Kea Resort genießen nicht nur Schwimmer das warmen Wasser, auch ein Schildkrötenpäärchen schwimmt ganz nahbar in den leichten Wellen. Die beiden lassen sich durch Schwimmer überhaupt nicht beeindrucken und da Iris nicht schnell genug weg kommt, bekommt sie von einer Welle eine der gepanzerten Meeresdinosaurier gegen das Schienbein geworfen und holt sich einen ordentlichen Bluterguss.
Bei Sam Choy's genießen wir am Abend bei einem schmackhaften Fischgericht den Blick aufs Meer und freuen uns, dass wir doch noch einen Platz auf dem Schlauchboot am kommenden Tag bekommen haben.
Morgen werden wir nämlich versuchen dem größten Rochen der Welt nahe zu kommen, dem Manta. Am späten Nachmittag geht es mit einem großen Schlauchboot und mit Schnorchel und Taucheranzug bekleidet raus auf Meer in die Dämmerung hinein. In der Kailua Bay versammeln sich allabendlich die bis zu sieben Meter Spannweite großen und zwei Tonnen schweren Manta Rochen. Sie ernähren sich ausschließlich von Plankton, das sie beim Schwimmen mit ihren riesigen Mäulern aus dem Meer filtern. Sobald es dunkel ist, gehen wir in Begleitung einer junger Tauchführerin ins Meer, legen uns möglichst flach aufs Wasser und halten uns in sechser Gruppen an einem Surfboard fest von dem Scheinwerfer in die Tiefe strahlen. Nah der Wasseroberfläche im Licht der Scheinwerfer versammelt sich bald das Plankton. Aber wie sollen die riesige Mantas das Plankton unter unserem Surfboard in ihr breites Maul bekommen??? Noch über diese Frage grübelnd kommt auf einmal ein solcher Koloss ins Blickfeld. In nur 10 Meter Tiefe kreuzt er! Puh, noch mal Glück gehabt. Ist das Meer so kalt oder woher kommt die Gänsehaut!? Toll sah der Manta aus, majestätisch flog er mit sanften Schwingen durchs das schwarze Meer unter uns. Die Oberseite ist schwarzblau und die Unterseite strahlend weiß. Auf einmal gibt die Tauchführerin das Kommando „Superman Position“ und wir wissen, jetzt müssen wir uns ganz flach machen. Es geht los. Da kommt er, das Adrenalin treibt den Puls hoch, als der Manta zielstrebig mit weit aufgerissenem Maul aus der Tiefe senkrecht auf uns zufliegt und nur Zentimeter (!) unter uns einen Looping macht, dann noch einen und wieder einen. Bis das Plankton in den Kimen dieses wundervollen Tieres hängt. Ganz ehrlich, wir haben die Luft angehalten so dicht dreht der weiße Leib dieses Riesen unter einem durch. Atemberaubend im wahren Sinn des Wortes. Ungefähr eine Stunde sind wir im Wasser. Am Ende sollen es bestimmt zwölf Mantas unterschiedlicher Größe gewesen sein, die unzählige Loopings unter unserem Surfboard gedreht haben. Der heiße Kaffee auf der Rückfahrt tut gut und irgendwie ist jeder mit sich und seinen Eindrücken beschäftigt, so dass nur die in der Bugwelle des Schlauchboots grünlich aufleuchtenden Algen zur „Unterhaltung“ beitragen. Bitte nicht versäumen, wenn ihr nach Hawaii kommen solltet!
Das vorletzte Ziel auf den hawaiianischen Inseln ist die Insel Kauai.
Hier treffen wir unsere liebe Freundin Kristin aus München. Sie macht doch tatsächlich zeitgleich eine Fortbildung auf Oahu. Nach so vielen Monaten gibt ein sehr herzliches Wiedersehen. Und da der gemietete Bungalow weitläufiger ist als gedacht, zieht Kristin bei uns ein und Christiane kocht zur Feier ihre insbesondere bei Kristin beliebten „Ossi-Nudeln“ und Lutz grillt Steaks - was für ein Gaumenschmaus. Gott geht es uns gut, thanks!
Kauai, die „Garteninsel“, ist die älteste Insel Hawaiis und der Welt auch als Kulisse des Films Jurassic Park bekannt. Die Insel entstand vor mehr als sechs Millionen Jahren durch einen einzigen Vulkan, den Schildvulkan Waialeale. Nirgendwo sonst auf Hawaii trifft man auf dichteren Regenwald, üppigere Vegetation und schönere Gärten. Als wahrer Bewässerungsmotor sorgt der Waialeale ganzjährig für die notwendige Feuchtigkeit. An ihm reiben sich die Wolken, regnen sich ab oder hüllen ihn in dichten Nebel. Kauai hat sich seine Ursprünglichkeit bewahrt. So darf noch heute kein Gebäude höher sein als eine Palme und 80% der Insel sind entweder Naturschutzgebiete oder zumindest ländlich geprägt. Nur ungefähr 10% der Insel können mit dem Auto erreicht werden; der Rest ist nur per Wanderung, Rundflug oder Kajak zugänglich.
Viele Besucher, die auf der Suche nach unkonventionellen Abenteuern sind, kommen aus genau diesem Grund hierher. Wir entscheiden uns für einen Helikopterrundflug um die Schönheit der Insel zu bewundern. Jochen darf vorne neben dem Pilot sitzen und verspricht auch nichts anzufassen. Von oben bewundern wir die unberührten Täler, wie die weiße Gischt die froschgrüne Insel einrahmt und fliegen an den regenreichsten Ort der USA. Dieser ist eine komplett bewachsene mächtige Steilwand am Vulkankegel des Waialeale (hawaianisch für „plätscherndes Wasser“). Hier regnet es an 335 Tagen im Jahr, wobei ständig große Regenmengen auf einem sehr kleinen Areal fallen. Auch als wir dort waren hat es natürlich geregnet.
Als kulinarische Highlights empfiehlt unser Reiseführer oft kleine Imbissbuden oder einfache Restaurants in Einkaufszentren. Auch in Hawaii, wie auf dem amerikanischen Festland ist das Fastfood allgegenwärtig. Alles wird in Plastik oder Styropor serviert, auch wenn man im Lokal isst. Wir wundern uns, sind wir doch auf einer Insel mitten im Pazifik und können uns nur schwer erklären, was hier mit dem ganzen Müll gemacht wird. Starbucks und Co. haben entweder Lieferservice oder Drive-in, denn auch hier herrscht eher das amerikanische Lebensmodell vor und dieses mag es bekanntlich gern bequem. :-) Außerdem scheint es wohl einen körperlichen Schmerz zu bereiten, den Zündschlüssel des Monster-Pick-Up-Autos auf „aus“ zu drehen, um beim Einladen oder Strandduschen etwas Benzin und CO2 zu sparen?! Doch auch wenn die amerikanische Lebensweise gelegentlich Rätsel aufgibt - fällt es nicht schwer, sich hier zu sehr wohl zu fühlen.
An Jochens rundem Geburtstag fliegen wir zurück auf die Insel Oahu, denn dort soll gefeiert werden! Mit dem „The Kahala“ gönnen wir uns ein exquisites Hotel für diesen besonderen Anlass. Vom Flughafen werden wir mit der Strechtlimousine abgeholt. Nach ein paar entspannten Stunden am Strand wartet eine sehr persönliche Überraschung auf Jochen.
Seine Familie hatte in Zusammenarbeit mit dem Konditor des Hotels, eine ganz wundervolle Überraschung vorbereitet: sein eigener Geburtstagskuchen nach dem Lieblingsrezept von Mama in Hawaii gebacken. Sieht der Käsekuchen nicht toll aus? Wir sind sicher, die neuste Kreation auf der Dessertkarte des Hotels heißt: Mother’s German Cheesecake. Vielen Dank an Susanne, Ursula, Rudolf und Doris, dass war eine äußerst geschmackvolle Überraschung.
Den Geburtstagsabend haben wir am berühmten Waikiki-Beach bei einer traditionellen Musik und Hula-Tanzshow und anschließend fantastischem Fischessen im berüchtigten Royal Hawaiian Hotel begangen. Waikiki ist paradiesisch und somit wird uns dieser wundervolle Geburtstag leicht in bester Erinnerung bleiben.
Die letzten zwei Tage beobachten wir von den Standliegen aus die Wale an der Küste oder planschen in der Lagune. Surfen scheint hier das Wichtigste; auf den Wellen die Beachboys und an den Stränden die Beauties. Die Sonne im Gesicht und eine frische Brise in den Haaren. Sehr nett! Ein letztes Mal holen wir uns einen leichten Sonnenbrand, der beim Shopping in Honolulu gemildert werden muss. Zum Glück haben Iris und Lutz noch etwas Platz im Koffer, denn in unseren immer noch vollen Taschen ist weiterhin kein Raum für Zusätzliches.
Nie sind drei Wochen unserer bisherigen Reise schneller vergangen, als hier in Hawaii. Dies auch dank der charmanten Reisebegleitung von Iris, Lutz und Kristin. Danke, dass ihr den weiten Weg auf Euch genommen habt und wir dies gemeinsam erleben durften. In Hawaii konnten wir das ausgelassene und entspannte Leben in vollen Zügen genießen. Es ist eine so schöne Atmosphäre auf diesen friedlichen Inseln. Amerikanisches Lebensgefühl gepaart mit der Schönheit der pazifischen Südsee - schwer zu toppen!
Und weiter gehts: Konichiwa Japan.
Die Reiseplanung war eine echte Herausforderung, denn mal eben nach Hawaii fliegen und vor Ort eine Unterkunft suchen, ist kaum möglich. Die Inseln sind voll mit Touristen und alles scheint ausgebucht. Also mussten wir unsere Hotels diesmal im Voraus buchen und konnten uns aufgrund der aufgerufenen Preise schon von vorn herein von unseren Budgetvorgaben verabschieden. Hawaii ist exklusiv und teuer. Aber irgendwie ahnen wir, dass eine sehr spannende Zeit voller besonderer Momente vor uns liegt und die Stichworte „rote Lava“, „Schnorcheln mit Mantas“, „Wellenbrecher“ und „German Cheesecake “ sollen Eure Vorfreude auf diesen vorletzten Blogeintrag lediglich steigern. Also folgt uns in ein weiteres Paradies.
An den doch recht kalten Tagen in China haben wir uns nach Wärme gesehnt und jetzt endlich ist es wieder soweit. Da wir erneut die Datumsgrenze überspringen, kommen wir nach einem langen Reisetag von Shanghai mit mehrstündigem Aufenthalt in Tokio früh morgens am gleichen Kalendertag in Honolulu an. Und Hawaii hält, was es in unseren Vorstellungen verspricht und empfängt uns mit angenehm sommerlichem Klima, sehr freundlichen Menschen und echtem Südseefeeling. Die zur Morgenstunde, mitten im Pazifik, schon 23°C warme Luft im schönen Flughafen riecht nach Meer, überall sind Blüten, die Menschen tragen lässige Kleidung und die amerikanische Freundlichkeit gewinnt durch das obligatorische „Aloha“ an Exotik.
Der große Jeep Mietwagen lässt sich entspannt auf den breiten Straßen durch Honolulu steuern. Wir haben einen Wagen für vier Personen gewählt, denn gleich am ersten Abend gibt es ein freudiges Wiedersehen. Christianes Eltern, Iris und Lutz, werden gemeinsam mit uns Hawaii genießen.
Die Inselgruppe Hawaii besteht aus acht Hauptinseln, von denen wir vier besuchen werden. Die Hawaiianischen Inseln sind das vulkanische Ergebnis eines sogenannten Hotspots. Mit eigenen Worten laienhaft erklärt ist dies ein stationärer Magma Punkt in der Erdkruste. Über diesen glühend heißen Punkt schiebt sich die Pazifische Platte in einer für uns nur schwer vorstellbaren Langsamkeit. Es ist als ob man eine gespannte Tischdecke unregelmäßig über eine brennende Kerze zieht und gelegentlich ein Brandloch entsteht. An diesen Brandlöchern bilden sich mächtige Vulkane, die so weit wachsen, dass vom Meeresboden aus hohe Berge entstehen, welche dann, nachdem sie aus dem Meer ragen, zu Inseln werden.
Irgendwann schob sich die Pazifische Platte dann weiter gen Nord-West und die nächste Hawaiianische Insel entstanden. Die Natur findet dann über das Meer und den Wind Ihren Weg auf die Vulkaninseln und die Vegetation beginnt. Die Forscher gehen davon aus, dass in den Jahren bis zur Entdeckung der Inseln durch den Menschen alle 10.000 Jahre eine Spezies ihren Weg auf die Inseln gefunden hat. Die Evolution hat daraus in Hawaii auch einmaliges hervorgebracht und so gibt es einige endemische Arten. Selbstverständlich sind diese heute sehr gefährdet, hat doch die Zivilisation einige dominante Arten eingeführt. Am unerwartetsten waren für uns die Hühner. Ja genau, (Italienische) Hühner sind auf allen Inseln allgegenwärtig. Als ob Hawaii ein großer Bauernhof wäre. :-) An den alten Vulkaninseln arbeitet dann in den Millionen Jahren der Zahn der Zeit und formt die Inseln, bis diese irgendwann in weiter Zukunft wieder im Meer versinken.
Wir beginnen unsere Reise auf Oahu. Obwohl nicht die größte, ist Oahu die Hauptinsel. Hier leben dreiviertel der gesamten 1,3 Millionen Einwohner, dort befindet sich die Hauptstadt Honolulu und der internationale Flughafen. Aber Oahu ist mehr als eine Durchgangsstation für die Nachbarinseln sondern bietet selbst Einmaliges: Surfen auf den Riesenwellen der Nordküste, Wandern an dem schmalen schroffen Klippen, Schnorcheln in der geschützten Hanauma Bay und natürlich der obligatorische Sunset-Drink in Waikiki.
Der berühmte Strand von Waikiki mit seinen schönen Menschen, die sehen und gesehen werden wollen und Honolulu als einzige Stadt auf den Inseln mit großstädtischem Flair, locken Besucher aus aller Welt. Hauptsächlich Japaner die hier ihren schwachen Yen unter die Leute bringen. Hochhäuser, Restaurants und Bars reihen sich um die Bucht und bieten Platz für viele Besucher. Mehr als ein Paar Flipflops, eine lässige Shorts und ein Hawaiihemd sind hier für einen perfekten Urlaub nicht nötig. Wer in Hawaii im Anzug oder Abendkleid unterwegs ist, wirkt eher overdressed. Auch in feineren Restaurants gilt ein legerer Chic als angemessen. Die Stadt ist sehr entspannt und selbst die vielen Hotels im Kastenformat tun dem Urlaubsfeeling, welches durch die Gassen weht, keinen Abbruch. Honolulu ist mit Sydney sicher die entspannteste Stadt auf unserer Reise.
Nicht das hier ein falscher Eindruck entsteht. Auf Oahu kommen auch die Liebhaber von Natur und Landschaft voll auf Ihre Kosten. Fährt man nur ein paar Kilometer aus der Stadt raus, zeigt sich Oahu schon von seiner schönsten Seite. Saftig grüne Steilwände laufen sanft in den kobaltblauen Pazifik aus und werden von Buchten mit ausgesprochen ruhigen goldgelben Sandstrände und angenehm warmen Wasser unterbrochen.
An jeder Ecke stehen kleine Imbisswagen, welche die besten Garnelen und würzige Maiskolben anbieten. Prachtbauten mit zum Meer zugewandter Veranda laden zum Verweilen ein und die Farbenpracht der ganzjährig blühende tropische Pflanzenwelt machen es uns nicht schwer Entspannung zu finden. Leben im Urlaubskatalog also. Insbesondere Iris und Lutz, die aus dem kältesten Winter seit Jahren aus Deutschland geflohen sind und als blütenweißer Kontrast zu den gebräunten Einheimischen hervorstechen, genießen die immerzu warmen Temperaturen. Mit tagsüber bis zu 27°C ist es angenehm warm und kühlt nachts soweit ab, dass keine Klimaanlage für eine geruhsame Nacht von Nöten ist. Und so erkunden wir die Insel mit unserem Mietwagen und man möchte an jeder Ecke anhalten um das nächste atemberaubende Foto zu machen. Wir besteigen den Diamondshead, ein alter Vulkankrater, um den grandiosen Ausblick auf Honolulu zu genießen. Wir beobachten Meeresschildkröten die dösend am Strand ein Mittagschläfchen halten. Und wir baden im kristallklaren Wasser am Laniki Beach.
Etwas verwundert sind wir allerdings über den Hype der um das Shaved-Ice gemacht wird!?! Den Männern schmeckt das mit Farb- und Aromastoffen getränkte zerstoßene Eis so „gut“, dass sie es den Hühnern hinter der Eisdiele anbieten. Diese und die Hawaiianer lieben es - andere Länder, andere Sitten. Oahu ist traumhaft und bietet die perfekte Mischung aus entspannter Großstadtidylle in Waikiki und wunderbarer Natur. Hier lässt es sich aushalten und nach vier Tagen sind wir gespannt, was uns auf den anderen Inseln noch alles erwartet.
Die nächste Insel ist Maui und schon allein die kurzen Flüge über das tiefblaue Meer sind wunderschön. Da wir in Oahu einen Bungalow direkt am Strand gemietet hatten, wurden wir dort durch die sanfte Meeresbrandung in den Schlaf begleitet. In Maui wohnen wir für vier Nächte in einem kleinen B&B im Inneren der Insel und werden dafür nun morgens von dynamischem Vogelgezwitscher geweckt. Maui ist eine Insel von Gegensätzen. In der Mitte der Insel ragen hohen kahle Vulkane in den Himmel, die mit dichter, hellgrüner Vegetation überspannt als liebliche Badestrände an der Küste enden. Und obwohl am Meer einige für unser Budget überzogene Traumhotels zu finden sind ist der Rest der Insel durch landwirtschaftliche Dorfstrukturen geprägt.
Die Entstehungsgeschichte Mauis wird bei einem Blick auf die beiden Inselteile und ihre Vulkane deutlich: lm Westen erhebt sich seit rund zwei Millionen Jahren der 1.764 Meter hohe Puu Kukui, der im Laufe der Jahrtausende stark erodierte und den Westen prägt. Sein Gegenstück im Osten ist der jüngere und um einiges höhere Haleakala, der mit 3.055 Metern Höhe den größeren Teil Mauis formt. Wenn man ihn vom Meeresgrund vermisst, dann ist der Haleakala über 9000m hoch. Was dann auch heißt, dass der Pazifik unmittelbar um Maui 6.000m tief ist!
Der Höhepunkt unseres Besuchs auf Mauis wird der Sonnenaufgang auf dem Haleakala. Wir machen uns gegen 4:30 Uhr auf den Weg zum Gipfel. Der Reisführer empfiehl Skianzug oder einen dicken Schlafsack anzuziehen. Wenn dies nicht vorhanden, soll man das Bettzeug und alle Decken vom Hotel mitnehmen, da die Temperaturen hier oben leicht unter 0°C fallen und eine sehr steife Brise weht. Glücklicherweise haben wir unsere Thermohose und Winterjacke aus China noch nicht entsorgt, denn die sind tatsächlich von Nöten. Vor lauter Kälte frieren uns die Finger ein und sogar das Abdrücken des Auslösers fällt ungewohnt schwer. Es ist saukalt und wir können uns nur schwer vorstellen, dass heute noch Badeprogramm geplant sein soll! Doch nirgends geht die Sonne schöner auf und wer zu nachtschlafender Zeit diesen Vulkan besteigt wird hin und weg sein.
Nach dem verträumten Sonnenaufgang über den Wolken geht es wieder zurück an die Küste zur Walbeobachtung. Und tatsächlich, man kann die Buckelwale springen und Fontänen in den Himmel blasen sehen. Sehr beeindruckend. Iris ist ganz und gar im Walfieber und vom Fernglas gar nicht mehr weg zu bekommen. Wir genießen unser Picknick am Meer und die wärmeren Gefilde. Immer geht ein kleines Lüftchen, gelegentlich auch ein stärkerer Wind der Hundertschaften zum Surfen einlädt.
Weltberühmte Surflegenden kommen nicht ohne Grund auf Maui und an der Nordküste wird jedes Jahr um eine bestimmte Zeit eine Riesenwelle mit großen Erwartungen herbeigesehnt. Und wer es schafft diese halsbrecherische Welle zu surfen gehört schon zu den ganz Großen in der Surferszene. Wer aber in Maui aufs Surfbrett steigen möchte braucht nicht nur jede Menge Mut. Auch Revierrestriktionen sind aus Sicherheitsgründen keine Seltenheit und so sollte nicht jeder Tourist einfach mal eben aufs Brett steigen. Wir genießen die hohe Brandung am Strand.
Jochen und Lutz lernen von den Einheimischen das Bodysurfen und wie Man(n) am weitesten die enormen Wellen abschwimmt ohne von den mächtigen Wassermassen auf dem Sand ein ungewollt intensives Peeling zu bekommen. Es gilt sich knapp unterhalb der sich überschlagenden Welle zu positionieren. Dann springt man sozusagen mit etwas Schwung in die Schaumkrone und lässt sich dann graulend viele Meter weit von den Welle tragen - wundervoll dieses Spiel mit den Elementen. Dies zu lernen hat aber etwas gedauert, wie die Schrammen an Rücken und Knien noch einige Tage eindrucksvoll bezeugen; hat aber dennoch gewaltig Spaß gemacht.
Am nächsten Tag erkunden wir mit dem Mietwagen das ländliche Maui. Die berühmten Road to Hana ist eine am Berg „klebende“ Serpentinenstraße mit ungefähr 600 Haarnadelkurven, über 50 einspurigen Brücken und engen Ortschaften. Üppige Urwälder, tosende Wasserfälle und tiefschwarze Sandstrände machen die Fahrt zu einem wahren Abenteuer und unvergesslichen Erlebnis. Anders als in Oahu ist hier die Landschaft nicht von Palmen geprägt, sondern von weiten Feldern, sanften Hügeln und steilen Küsten. Es erinnert ein wenig an Südengland mit sehr angenehmen Temperaturen.
Bei einem Badestop kommen wir auch erstmals in den Genuss mit einer Meeresschildkröte zu schnorcheln und diese sogar zu streicheln. Sehr berührend. Der abschließende Sonnenuntergang am Strand mit Bier und Chips wird durch die in der Bucht springenden Buckelwale noch romantischer und wir sind very relaxed.
Weiter geht unser Inselhüpfen auf Big Island, diese Insel heißt offiziell eigentlich Hawaii.
Die jüngste Insel der hawaiischen Inselkette ist nicht nur die größte, sondern wächst dank aktiver Vulkanaktivität noch immer weiter. Ihr Erscheinungsbild unterscheidet sich deutlich von den anderen Inseln. (Denn in Big Island arbeiten die Vulkane noch.) Big Island ist daher geformt wie ein riesiger, flach ansteigender Hügel. Dieser Hügel ist am Gipfel des Vulkans Mauna Kea allerdings bis zu 4.205 Meter hoch! Durch die produktiven Lavaströme entsteht ständig neues Land. Und ja, wir werden diese Entstehung hautnah erleben dürfen. Wegen der weitläufigen Dimensionen von „BIG“ Island haben wir zwei Unterkünfte gebucht. Zunächst wohnen wir zwei Nächte in einem sehr romantischen alten Landhaus hoch oben beim Hawai’i Volcanoes National Park.
Auf dem Weg dorthin besichtigen wir die Überreste eines Lavastroms der sich 1988 seinen Weg zum Meer mitten hindurch, durch das Dorf Kalapana gesucht hat. Es ist schon bedrückend zu sehen, wie die Straßen auf einmal vor einem kohleschwarzen, bizarr erstarrten Lavahaufen enden. Es sieht aus, als hätte ein Riese einen großen Eimer Teer auf eine Modelleisenbahnlandschaft gegossen und alles was dem im Wege stand, wurde verglüht. Aber genau für die Berührung der Urgewalten sind wir ja hier. Am nächsten Tag wandern wir den wunderbaren Kilauea Iku Trail, welcher quer über einen noch immer warmen Lavateich führt. Der Kilauea brach 1959 spektakulär aus und erzeugte dabei bis zu 600 Meter (!) hohe Lavafontänen, die mehrere Quadratkilometer bedeckten. Während die Lava erkaltete, brachte sie den großen Krater zum Vorschein. Auf am Weg ausgestellten Fotos wird die Lavafontäne zum vergleichsweise kleinen Empire State Building in Bezug gesetzt. Beim Abstieg in den 140m tiefen Kraters überkommt uns ein andächtiges Gefühl ob dieser Gewalten unter unseren Füßen.
Aber auch sonst gibt es im Hawai’i Volcanoes National Park viel zu entdecken. Mit Taschenlampe bewaffnet klettern wir durch eine Lavaröhre und lassen uns vom Wasserdampf aus Erdspalten die Sonnenbrillen vernebeln. Mit einem Sonnenuntergang der besonderen Art endet ein weiterer erlebnisreicher Tag. Bei einsetzender Dunkelheit erleuchtet der Lavasee , der im Haleme’uma’u Krater vor sich hinblubbert, den Himmel über sich granatapfelrot und zeigt damit, wie nah uns das glühende Gestein hier auf Big Island ist.
Doch der kommende Tag soll alles bisherige in Sachen Lava erlebte kalt aussehen lassen. Wir fahren mit einem Spezialboot aus Aluminium an der Küste Hawaiis entlang. Die Wellenberge sind imposant und die 45-minütige Fahrt wird eine echte Rüttelpartie mit Salzwasserdusche. Von einem Einheimischen wissen wir, dass sich seit 28 Tagen an einer Stelle die Lava mit dem Meer treffen soll - aber eine Garantie gibt es natürlich nicht! Die coolen Bootsleute sind -mit und für uns- auf der Suche nach einem Ausfluss Roter Lava. Eine hohe Wasserdampfsäule kündigt weithin sichtbar den Kampf Feuer mit Wasser an und tatsächlich haben wir das Glück: aus kohleschwarzem Fels ergießt sich rotglühende Lava in baumdicken Strömen in den tiefblauen Pazifik, der mit weißem Wasserdampf zischend nachgibt und mit der nächsten Welle zurück beißt. Das Meer faucht kochend, auf der Wasseroberfläche schwimmen wackersteingroße Lavabrocken und die Hitze der roten Lava ist auch noch viele Meter entfernt spürbar. Der schwefelhaltige Wasserdampf riecht fast wie Schweiß, als würden der Kampf der Elemente diese anstrengen. Was für ein Drama!
Unser Kapitän jongliert das Boot gekonnt im starken Wellengang ganz nah am hitzigen Ufer und vor lauter Begeisterung vergessen wir unsere einsetztende Seekrankheit. Zum Abschluss fischt unser Bootsmann noch einen Eimer Wasser aus dem Meer, welches mit ca. 40°C perfekte Badewannentemperatur hat. (Ein Tipp: Am Tag bietet sich ein besserer Blick auf die Naturgewalten als in der Nacht, in der man nur rote Punkte sieht.) Die Bootsfahrt zurück ist noch ruppiger, dennoch fahren wir sehr glücklich ob des Erlebten ins nächste Quartier an die liebliche Westküste von Big Island bei Kailua-Kona. Nach den Anstrengungen der letzen Tage gönnen wir uns mal einen Tag am Strand.
Am sanften gelben Sandstrand des Mauna Kea Resort genießen nicht nur Schwimmer das warmen Wasser, auch ein Schildkrötenpäärchen schwimmt ganz nahbar in den leichten Wellen. Die beiden lassen sich durch Schwimmer überhaupt nicht beeindrucken und da Iris nicht schnell genug weg kommt, bekommt sie von einer Welle eine der gepanzerten Meeresdinosaurier gegen das Schienbein geworfen und holt sich einen ordentlichen Bluterguss.
Bei Sam Choy's genießen wir am Abend bei einem schmackhaften Fischgericht den Blick aufs Meer und freuen uns, dass wir doch noch einen Platz auf dem Schlauchboot am kommenden Tag bekommen haben.
Morgen werden wir nämlich versuchen dem größten Rochen der Welt nahe zu kommen, dem Manta. Am späten Nachmittag geht es mit einem großen Schlauchboot und mit Schnorchel und Taucheranzug bekleidet raus auf Meer in die Dämmerung hinein. In der Kailua Bay versammeln sich allabendlich die bis zu sieben Meter Spannweite großen und zwei Tonnen schweren Manta Rochen. Sie ernähren sich ausschließlich von Plankton, das sie beim Schwimmen mit ihren riesigen Mäulern aus dem Meer filtern. Sobald es dunkel ist, gehen wir in Begleitung einer junger Tauchführerin ins Meer, legen uns möglichst flach aufs Wasser und halten uns in sechser Gruppen an einem Surfboard fest von dem Scheinwerfer in die Tiefe strahlen. Nah der Wasseroberfläche im Licht der Scheinwerfer versammelt sich bald das Plankton. Aber wie sollen die riesige Mantas das Plankton unter unserem Surfboard in ihr breites Maul bekommen??? Noch über diese Frage grübelnd kommt auf einmal ein solcher Koloss ins Blickfeld. In nur 10 Meter Tiefe kreuzt er! Puh, noch mal Glück gehabt. Ist das Meer so kalt oder woher kommt die Gänsehaut!? Toll sah der Manta aus, majestätisch flog er mit sanften Schwingen durchs das schwarze Meer unter uns. Die Oberseite ist schwarzblau und die Unterseite strahlend weiß. Auf einmal gibt die Tauchführerin das Kommando „Superman Position“ und wir wissen, jetzt müssen wir uns ganz flach machen. Es geht los. Da kommt er, das Adrenalin treibt den Puls hoch, als der Manta zielstrebig mit weit aufgerissenem Maul aus der Tiefe senkrecht auf uns zufliegt und nur Zentimeter (!) unter uns einen Looping macht, dann noch einen und wieder einen. Bis das Plankton in den Kimen dieses wundervollen Tieres hängt. Ganz ehrlich, wir haben die Luft angehalten so dicht dreht der weiße Leib dieses Riesen unter einem durch. Atemberaubend im wahren Sinn des Wortes. Ungefähr eine Stunde sind wir im Wasser. Am Ende sollen es bestimmt zwölf Mantas unterschiedlicher Größe gewesen sein, die unzählige Loopings unter unserem Surfboard gedreht haben. Der heiße Kaffee auf der Rückfahrt tut gut und irgendwie ist jeder mit sich und seinen Eindrücken beschäftigt, so dass nur die in der Bugwelle des Schlauchboots grünlich aufleuchtenden Algen zur „Unterhaltung“ beitragen. Bitte nicht versäumen, wenn ihr nach Hawaii kommen solltet!
Das vorletzte Ziel auf den hawaiianischen Inseln ist die Insel Kauai.
Hier treffen wir unsere liebe Freundin Kristin aus München. Sie macht doch tatsächlich zeitgleich eine Fortbildung auf Oahu. Nach so vielen Monaten gibt ein sehr herzliches Wiedersehen. Und da der gemietete Bungalow weitläufiger ist als gedacht, zieht Kristin bei uns ein und Christiane kocht zur Feier ihre insbesondere bei Kristin beliebten „Ossi-Nudeln“ und Lutz grillt Steaks - was für ein Gaumenschmaus. Gott geht es uns gut, thanks!
Kauai, die „Garteninsel“, ist die älteste Insel Hawaiis und der Welt auch als Kulisse des Films Jurassic Park bekannt. Die Insel entstand vor mehr als sechs Millionen Jahren durch einen einzigen Vulkan, den Schildvulkan Waialeale. Nirgendwo sonst auf Hawaii trifft man auf dichteren Regenwald, üppigere Vegetation und schönere Gärten. Als wahrer Bewässerungsmotor sorgt der Waialeale ganzjährig für die notwendige Feuchtigkeit. An ihm reiben sich die Wolken, regnen sich ab oder hüllen ihn in dichten Nebel. Kauai hat sich seine Ursprünglichkeit bewahrt. So darf noch heute kein Gebäude höher sein als eine Palme und 80% der Insel sind entweder Naturschutzgebiete oder zumindest ländlich geprägt. Nur ungefähr 10% der Insel können mit dem Auto erreicht werden; der Rest ist nur per Wanderung, Rundflug oder Kajak zugänglich.
Viele Besucher, die auf der Suche nach unkonventionellen Abenteuern sind, kommen aus genau diesem Grund hierher. Wir entscheiden uns für einen Helikopterrundflug um die Schönheit der Insel zu bewundern. Jochen darf vorne neben dem Pilot sitzen und verspricht auch nichts anzufassen. Von oben bewundern wir die unberührten Täler, wie die weiße Gischt die froschgrüne Insel einrahmt und fliegen an den regenreichsten Ort der USA. Dieser ist eine komplett bewachsene mächtige Steilwand am Vulkankegel des Waialeale (hawaianisch für „plätscherndes Wasser“). Hier regnet es an 335 Tagen im Jahr, wobei ständig große Regenmengen auf einem sehr kleinen Areal fallen. Auch als wir dort waren hat es natürlich geregnet.
Als kulinarische Highlights empfiehlt unser Reiseführer oft kleine Imbissbuden oder einfache Restaurants in Einkaufszentren. Auch in Hawaii, wie auf dem amerikanischen Festland ist das Fastfood allgegenwärtig. Alles wird in Plastik oder Styropor serviert, auch wenn man im Lokal isst. Wir wundern uns, sind wir doch auf einer Insel mitten im Pazifik und können uns nur schwer erklären, was hier mit dem ganzen Müll gemacht wird. Starbucks und Co. haben entweder Lieferservice oder Drive-in, denn auch hier herrscht eher das amerikanische Lebensmodell vor und dieses mag es bekanntlich gern bequem. :-) Außerdem scheint es wohl einen körperlichen Schmerz zu bereiten, den Zündschlüssel des Monster-Pick-Up-Autos auf „aus“ zu drehen, um beim Einladen oder Strandduschen etwas Benzin und CO2 zu sparen?! Doch auch wenn die amerikanische Lebensweise gelegentlich Rätsel aufgibt - fällt es nicht schwer, sich hier zu sehr wohl zu fühlen.
An Jochens rundem Geburtstag fliegen wir zurück auf die Insel Oahu, denn dort soll gefeiert werden! Mit dem „The Kahala“ gönnen wir uns ein exquisites Hotel für diesen besonderen Anlass. Vom Flughafen werden wir mit der Strechtlimousine abgeholt. Nach ein paar entspannten Stunden am Strand wartet eine sehr persönliche Überraschung auf Jochen.
Seine Familie hatte in Zusammenarbeit mit dem Konditor des Hotels, eine ganz wundervolle Überraschung vorbereitet: sein eigener Geburtstagskuchen nach dem Lieblingsrezept von Mama in Hawaii gebacken. Sieht der Käsekuchen nicht toll aus? Wir sind sicher, die neuste Kreation auf der Dessertkarte des Hotels heißt: Mother’s German Cheesecake. Vielen Dank an Susanne, Ursula, Rudolf und Doris, dass war eine äußerst geschmackvolle Überraschung.
Den Geburtstagsabend haben wir am berühmten Waikiki-Beach bei einer traditionellen Musik und Hula-Tanzshow und anschließend fantastischem Fischessen im berüchtigten Royal Hawaiian Hotel begangen. Waikiki ist paradiesisch und somit wird uns dieser wundervolle Geburtstag leicht in bester Erinnerung bleiben.
Die letzten zwei Tage beobachten wir von den Standliegen aus die Wale an der Küste oder planschen in der Lagune. Surfen scheint hier das Wichtigste; auf den Wellen die Beachboys und an den Stränden die Beauties. Die Sonne im Gesicht und eine frische Brise in den Haaren. Sehr nett! Ein letztes Mal holen wir uns einen leichten Sonnenbrand, der beim Shopping in Honolulu gemildert werden muss. Zum Glück haben Iris und Lutz noch etwas Platz im Koffer, denn in unseren immer noch vollen Taschen ist weiterhin kein Raum für Zusätzliches.
Nie sind drei Wochen unserer bisherigen Reise schneller vergangen, als hier in Hawaii. Dies auch dank der charmanten Reisebegleitung von Iris, Lutz und Kristin. Danke, dass ihr den weiten Weg auf Euch genommen habt und wir dies gemeinsam erleben durften. In Hawaii konnten wir das ausgelassene und entspannte Leben in vollen Zügen genießen. Es ist eine so schöne Atmosphäre auf diesen friedlichen Inseln. Amerikanisches Lebensgefühl gepaart mit der Schönheit der pazifischen Südsee - schwer zu toppen!
Und weiter gehts: Konichiwa Japan.

