Indien berührt
Wo beginnen wir die Beschreibung unserer vielfältigen Eindrücke und Erlebnisse in Indien? So viele Geschichten und Erfahrungen gibt es zu erzählen. Und dabei kann es sich bei Indien nicht immer nur um die schönen Dinge des Lebens handeln.
Wer des Reisen überdrüssig, weil er glaubt die Welt böte ihm keine Abenteuer mehr, dem sei eine Reise durch Indien empfohlen. Indien geht unter die Haut, schlägt auf den Magen, bewegt und bezaubert. Es gibt unzählige Fotomotive, frohe Farben, delikate Gewürze und die vielleicht tiefgründigsten Augen der Welt. Indien berührt und zwar alle Sinne und noch viel mehr!
Am Flughafen werden wir um vier Uhr morgens vom lauten und hektischen Mumbai (Bombay) empfangen. Nach Bangkok hofften wir auf Indien gut vorbereitet zu sein, doch weit gefehlt. Hier sind wir scheinbar und hoffentlich am gesellschaftlichen Tiefpunkt unserer Reise angekommen! Auf unserer gesamten bisherigen Tour gab es nichts das diesem Moloch mit 17 Mio. Einwohnern im Ansatz gleicht. Und das obwohl wir seit Beginn unserer Weltreise nirgends geografisch näher an Zuhause waren als jetzt hier in Indien und dennoch ist es am fremdartigsten!
Gerade in den Städten ist die Schere der indischen Gesellschaft so eklatant offensichtlich. Mumbai hält den traurigen Rekord des größten Slums in ganz Asien (ca. 9 Mio. Menschen). Dies ist auch der anhaltenden Landflucht der Dorfbewohner geschuldet. Zum Einen ziehen die gut ausgebildeten Jungen in die Städte, auf der Suche nach Jobs und einem modernen Leben. Zum Anderen aber bleibt dem Großteil der Menschen in den Dörfern oft wenig zum Essen. Dies, da gemäß der traditionellen Erbfolge die landwirtschaftlichen Anbauflächen einer Familie unter den Söhnen aufgeteilt werden. Die fortschreitende Landzerstückelung aufgrund der Familiengröße führt schnell dazu, dass die Felder die Familien nicht mehr ernähren können.
Viele flüchten in die vermeintliche Freiheit der Städte. In der Stadt hoffen sie dann auf ein besseres Leben und landen leider oft aufgrund von Arbeitslosigkeit oder falscher Kaste im Slum.
Die sichtbare Folge in Mumbai sind bettelarme Menschen, die oft kaum mehr besitzen als die Kleider am Körper. Neben den Haute Couture Boutique für die winzige aber steinreiche Oberschicht liegt ein abgemagertes Bündel Mensch unter einer Plane auf der Straße und wird von den Chauffeuren in Autos der Luxusklasse genervt angehupt; und niemand scheint dies ungewöhnlich zu finden oder sich daran zu stören!
Vielleicht um diese perverse Diskrepanz zu zementieren, findet sich in Mumbai neben dem größten Slum auch das weltweit größte Einfamilienhaus. Dieses 27-stöckige Wohnhaus mit 37.000 m² hat sich Mr. Ambani, einer der reichsten Männer Indiens, gebaut. Unglaubliche 600 Angestellte stehen für sage und schreibe 5 (in Worten: FÜNF) Bewohner zur Verfügung. Allein sechs Etagen sind für seine Fahrzeuge reserviert und der Landeplatz für die drei Hubschrauber ist auch dabei.
In diesem Zusammenhang sei auch erwähnt, dass die 100 reichsten Inder das Vermögen der 400 reichsten Chinesen besitzen. Unfassbar!
Oft werden wir in den nächsten Wochen mit Indern über ihr Leben mit der sichtbaren Armut von großen Bevölkerungsteilen sprechen und einige weitere interessante Einsichten dabei erhalten, dazu später mehr. Wir sind bald überfordert und ertappen uns dabei, dass wir wieder in den Cocon von klimatisierten Restaurants und Hotels flüchten wollen.
Aber Indien hat auch ein anderes Gesicht und so sind wir tief beeindruckt von der reichen Kultur, der tiefen Hingabe der Menschen zum Hinduismus und den Steinarbeiten der Meisterklasse in den religiösen Tempeln. Überall leuchtete einem ein kunterbunter Sari, die traditionelle Kleidung der verheirateten Frau, entgegen, der die Damen sehr schön kleidet. Eine echte Farbpracht. Die Vielfalt an Gewürzen, Fladenbroten, vegetarischen Gerichten und Lassies ist einzigartig und wir schlemmen was das Zeug hält. Hier vermisst man nichts und schon gar kein Fleisch. Der Großteil der Inder sind übrigens Vegetarier.
Die Dabbawallas holen die vollen Essensbehälter am späten Vormittag bei den Hausfrauen ab, liefern diese zwischen 11:30 und 12:15 warm an die Arbeitsplätzen der Ehemänner, Söhne oder Töchter aus und sorgen dann auch noch für den Rücktransport bis 16:00. Im Grunde beruht das System der Dabbawalla auf dem reibungslosen Ablauf einer Menschenkette. Vier Personen sind für eine Lieferung zuständig! Weil die meisten Dabbawalla nicht lesen können, sind die Essensbehälter mit Zahlen, Ziffern und mit unterschiedlichen Farben codiert. Etwas 5.000 Männer sind täglich auf dem Fahrrad, zu Fuß und mit der Eisenbahn unterwegs, damit 200.000 warme Mittagessen pünktlich ihr Ziel erreichen.
Sensationell ist deren Genauigkeit: bei 16 Millionen ausgelieferten Essensbehältern gibt es nur eine Falschlieferung oder geht einer verloren - insbesondere wenn man das Verkehrschaos von Mumbai berücksichtigt. Damit sind die Dabbawallas weltweit mittlerweile zum Synonym für Prozessqualität geworden.
Für uns überraschend sind auch die Dhobis, die Waschmänner. Diese waschen täglich tausende Kleidungsstücke, für Privatleute, Gewerbe wie Hotels oder sogar Krankenhäuser! Das ist einfach nur riesig und folgt strengen Regeln der Logistik. Die Dhobis holen die Schmutzwäsche bei ihren Kunden ab und bringen sie am nächsten Tag gebügelt wieder zurück. Jede Ladung wird versteckt markiert, damit es im Getümmel keine Verwechslungen gibt. Alle Arbeitsschritte werden mit Muskelkraft absolviert. Die Wäsche wird eingeweicht, mit den Füßen gestampft, über die Schulter ausgeschlagen und mit einer speziellen Aufhängetechnik in der Sonne getrocknet. Indien ist anders. Die Dhobis leben dort wo sie arbeiten und vererben das Geschäft an die nächste Generation. Waschmaschinen werden nicht verwendet - damit keine Jobs wegrationalisiert werden?!?
Auf einem Bootsausflug auf die Elephanta Island in der Bucht von Mumbai bekommen wir einen ersten guten Einblick in den Hinduismus. 80% der Inder sind Hindus. Der Hinduismus ist eine der ältesten noch praktizierten Religionen der Welt und seine Wurzeln reichen bis weit vor 1000 v. Chr. zurück. Die Hindus glauben, dass das irdische Leben ein Kreislauf ist; man wird immer wiedergeboren. In welchen Lebensumständen man wiedergeboren wird, hängt vom Verhalten (Karma) in früheren Leben ab. Wer rechtschaffen im Sinne des Hinduismus lebt, verbessert die Chancen, in eine höhere Kaste und damit in ein besseres Leben hineingeboren zu werden. Wer es gar zu toll getrieben hat, kann auch als Tier wiedergeboren werden! ;-)
Es gibt drei wichtige hinduistischen Gottheiten: 1.) Brahma der Erschaffer des Universums, 2.) Vishnu der Bewahrer oder Erhalter und 3.) Shiva der Zerstörer. Dies sind die wichtigsten und dabei wollen wir es auch belassen, denn es gibt Sage und Schreibe 330 Millionen weitere Gottheiten im hinduistischen Pantheon. Den obigen drei sind aber die wesentlichen Tempelanlagen gewidmet. (Anm.: aufmerksame Leser werden feststellen, dass die Tempelanlage Angkor Wat aus dem vergangenen Blogeintrag schon dem Gott Shiva gewidmet war. Daher sind Grundkenntnisse des Hinduismus für das Verständnis Asiens so hilfreich, wie das Wissen über das Christentum für Europa.)
Doch zurück auf Elephanta Island, dort wurde 450 n. Chr. jedenfalls für den Gott Shiva ein riesiger Höhlentempel in den Basaltfelsen der Insel geschlagen. Attraktion ist eine aus dem Felsen gehauene 6m hohe Statue eines dreiköpfigen Shiva, dessen Augen in ewiger Einkehr geschlossen sind. Es ist schon ein beeindruckendes und berührendes Gefühl, wenn diese sich im Dämmerlicht der felsigen Tempelhalle vor einem aufbaut.
Unsere Reise führt uns weiter Richtung Norden nach Udaipur, welches bekannt ist für seinen wunderschönen Königspalast und das im künstlichen See scheinbar schwimmende Maharadscha-Hotel (Lakepalace). Beides wurden vom ansässigen Maharadscha im 17. Jahrhundert erbaut und ist nun sowohl als Museum als auch als Luxusherberge für Touristen zugänglich. Weltberühmt wurde das Lakepalace Hotel durch einen englischen Geheimagent der im Auftrag seiner Majestät unterwegs ist. Richtig, James Bond! Der Palast diente als Austragungsort des obligatorischen Techtelmechtel im Streifen Octopussy.
Leider stört sich Christiane in der ländlichen Kleinstadt Udaipur erstmals an dem äußerst starren Blick den indischer Männer auch westlichen Frauen zuwerfen. Die jungen Männer laufen uns teilweise sogar hinter her, stellen sich sehr nah neben uns und lassen sich nicht davon stören, dass wir augenscheinlich als Paar unterwegs sind. Überhaupt scheint die indische Komfortzone nicht mit den europäischen Verständnissen vergleichbar. Vieles ist sehr nah und alles eng, was natürlich auch der unüberschaubaren Masse Mensch geschuldet ist. Auch hier ist die Überbevölkerung offensichtlich und wird auch von den Indern selbst als eines der großen Probleme wahrgenommen. Ein Grund mag sein, dass es noch immer äußerst wichtig ist einen Sohn zu gebären. Also werden solange Kinder gemacht bis ein Junge dabei ist. Mädchen gelten weithin als Kostenfaktor, da die Familie für die Mitgift der Tochter tief in die Tasche greifen muss und sich dadurch oft hoch verschuldet. Arrangierte Hochzeiten sind landesweit weiterhin ggang und Gäbe und diese werden meist von den Müttern schon im Kindesalter vereinbart. Selbst moderne Menschen in den Städten berichten uns, dass auch sie verheiratet wurden und das arrangierte Hochzeiten viel weniger geschieden werden als Liebeshochzeiten, von denen angeblich 90% in Indien scheitern. Schon klar; bei der arrangierten Hochzeit handelt es sich ja auch um eine reine lebenslange Zweckgemeinschaft. Zum Glück glauben die Hindus ja an die Wiedergeburt, da gibt's die Chance auf echte Liebe! Wir fragen uns spontan, welchen Partner unsere MÜTTER wohl für uns ausgesucht hätten?!? ;-)
In den letzten sieben Monaten haben wir unsere Reise weitgehend selbstständig organisiert und sind damit sehr gut zurecht gekommen. Doch für Indien haben wir uns auch aus Zeitgründen für eine individuell für uns organisierte Tour entschieden und sind heilfroh. Wenn man dieses Chaos und Durcheinander sieht, kann man sich nur schwer vorstellen, dass es hier einen funktionierenden Fahrplan gibt, geschweige denn irgendein landesweit organisiertes Transportsystem um schnell und günstig von a nach b zu kommen. Unsere Reise klappt dagegen ganz wunderbar. Wir werden mit Namensschild am Flughafen abgeholt und umgehen so die Scharr der Schlepper, die einem entgegen stürmt sobald man etwas hilflos in den Reiseführer schaut. ;-)
Wir haben einen netten Fahrer der uns durch Indiens Norden bis nach Delhi begleitet. Das ist äußerst angenehm und wir sind dankbar, dass alles so gut klappt und organisiert ist. Weiter geht es mit dem Auto 200 km in sechs Stunden (!) nach Pushkar. Auf einer Autofahrt durch Indien kann man den Blick kaum von der Welt da draußen abwenden; zu skurril ist das Dargebotene, zu fremdartig die indische Lösung für die Herausforderungen im Alltag, zu unglaublich die Interpretation der Verkehrsregeln und zu andersartig ist dieser Trubel.
Ständig, wirklich ständig wird gehupt, gedrängelt und ab und zu mal der Außenspiegel umgeklappt, um es passend zu machen. Und auch die Kühe fühlen sich anscheinend zwischen Fahrradrikschas, Tuk Tuk's und LKW Getümmel am wohlsten. Keiner hält sich an Regeln und es regiert eindeutig das Recht des Stärkeren oder Lautesten.
Pushkar ist eine der heiligsten Städte Indiens, denn hier ist "das Zuhause" des Gottes Brahma und damit für jeden gläubigen Hindu einmal im Leben eine Reise wert. Da sich Pushkar an der Wüste Rajasthans befindet haben sich die Hotels auf die Unterbringungen im Zelt spezialisiert. Und so verbringen auch wir eine Nacht im Zelt. Glücklicherweise ist dieses Zelt mit einigen Annehmlichkeiten ausgestattet, wozu auch eine Heizdecke gehört, da Nachts die Temperaturen auf den Gefrierpunkt sinken.
Selbstverständlich haben wir uns am heiligen See in Puskhar segnen lassen, aber auf das Bad darin haben wir verzichtet. Das Wasser ist seeeeehr kalt!
Weiter geht es nach Jaipur, der Hauptstadt des Bundesstaat Rajasthans.
Jaipur ist auch als Pink City bekannt, da der Maharadscha die komplette Stadt zu Ehren eines Besuchs des englischen Königs 1876 in Rosa streichen ließ - der Farbe der Gastfreundschaft. Heute sind die Bewohner dazu verpflichtet die rosafarbenen Fassaden zu erhalten. Gerade im samten Sonnenlicht strahlt die Stadt eine sanfte Wärme aus und taucht die Basare in eine wohlige Stimmung. Auf den Basaren gibt es allerlei Kunsthandwerk, für dessen Herstellung die Gegend um Jaipur bekannt ist. So erfahren wir einiges über die Techniken der Edelsteinschleifer, der indischen Teppichknüpfer, des Gewebesdruck und die erstaunlichen Miniaturmalerei. Manche Stücke sind wirklich wunderschön und wir könnten eine Menge Geld ausgeben. Die Gepäckbeschränkung der Airline hält uns aber weitgehend (zum Glück) davon ab. Dennoch verbringen WIR mehrere frohe Stunden im Paschmina-Schal-Paradies und bewundern die fantastischen Farben und Muster. So eine tolle Auswahl und Katy Perry war auch schon da! Toll. Jochen findet sich später in einer ruhigen Ecke bei weiteren 'begeisterten' Begleitern und entspannt beim obligatorische Masala-Tea wieder.
Am zweiten Tag besichtigen wir den "Palast der Winde", eine befensterte Fassadenfront im Wabendesign. Die schmuckvoll vergitterten Fenster sollten den weiblichen Mitgliedern des königlichen Haushalts die Möglichkeit bieten, das Treiben und die Prozessionen auf den Straßen außerhalb des Stadtpalastes zu betrachten. Zum Palast gehört auch noch ein sehr außergewöhnliches Observatorium, welches ebenfalls als Weltkulturerbe eingestuft wurde.
Dann geht es zum märchenhaften Ford Amber, auf einem nahen Berg gelegen. Den Weg hinauf zum Eingang legen wir auf dem Rücken eines Elefanten zurück. Das war vielleicht eine wackelige Angelegenheit! Und die Höhe ist schon beängstigend, nichts für Leute mit Höhenangst.
Das Amber Ford ist eigentlich mehr ein Palast. Er ist aus blassgelben und rosafarbenen Sandstein und weißem Marmor gebaut und besteht aus fünf Höfen. Die Gemächer des Palasts sind von strahlender Pracht und die Wände aus weißen Marmor bestechen durch aufwändige Einlegearbeiten und eine grandiose Spiegeldecke. Die Frauengemächer wurden so gestaltet, dass der Maharadscha auf seinen nächtlichen "Streifzügen" die Zimmer seiner Frauen und Konkubinen betreten konnte, ohne das jemand bemerkte, welcher er gerade den Vorzug gab.
Zur Klimatisierung im heißen Sommer dienten ausgeklügelte Bewässerungssysteme die mit Hilfe des Windes kühle Luft in die Gemäuer bliesen. Dieses Wasser war zudem versetzt mit Rosenessenz wodurch dem ganzen ein lieblicher Raumduft eingehaucht wurde.
Obwohl die mobilen Annehmlichkeiten, wie Teppiche, Stoffe und Möbel, heute nicht mehr im Amber Ford stehen, kann man sich sehr gut vorstellen, dass die Maharadschas ein luxuriöses Leben führen konnten. Eine wunderschöne Anlage von der man einen tollen Blick über das volle Jaipur hat.
Leider müssen wir sagen, dass in Indien zu deutlich zu spüren ist, dass oft einzig das Geld zählt. Wir fühlen uns bei jedem Handschlag zu einem Trinkgeld genötigt. Aber so ist das wohl im armen Indien, wo jeder Einzelkämpfer zu sein scheint. Dieser Egoismus mag auch für das so offensichtliche Müllproblem im ganzen Land mitverantwortlich sein. Denn wir wollen nicht verschweigen, dass der Müll auf den Straßen, dem Land und in den Flüssen, einfach überall, überquillt. Vermutlich wird das indische Entsorgungssystem nicht besonders gut organisiert sein, dennoch sehen wir häufig, dass Menschen ihren Abfall gerade von der Hand in die Umwelt befördern, der dann gelegentlich zusammengekehrt wird, um dann an Ort und Stelle luftverpestend verbrannt zu werden. :o(
Doch kommen wir wieder zu den schönen Dingen Indiens, dem so entspannenden Kealadeo Ghana National Park. Früher ein Jagdrevier für den Maharadscha in Bharatpur und später bei den Briten als exklusives Revier für die Entenjagd bekannt, ist dieser Park mittlerweile seit 1983 von der Unesco geschützt und über die Grenzen hinweg bei Ornithologen für die seinen Artenreichtum berühmt. Ganze 700 unterschiedliche Vogelarten beheimatet der Park und auf der hier gemütlichen Fahrt mit der Rikscha bekommen wir einige davon zu sehen. Besonders angetan sind wir vom Weißen Pelikan und dem blauen Moorhuhn. Erschöpft von der Jagt mit der Kamera und dem Fernglas lassen wir den Tag stilvoll mit Kaminfeuer und Whiskey ausklingen und verbringen die Nacht im ehemaligen Maharadscha-Palast, der heute ein besonders feudales Hotel ist. Am kommenden Tag steht das bekannteste Gebäude Indiens auf dem Programm. Na, welches wohl?
Das Taj Mahal in Agra.
Dieses wundervolle Mausoleum hat der Mogul Shah Jahan in Erinnerung an seine Lieblingsfrau, die Persische Prinzessin Arjuman Bano Begum, in perfekter Symmetrie binnen 21 Jahren bauen lassen. Als Mogul werden übrigens die islamischen Herrscher Indiens bezeichnet, als Maharadscha die hinduistischen. Da der Mogul sehr verliebt war und nicht ohne sie sein wollte, hat sie ihn hochschwanger auch auf seinem Feldzug begleitet und ist im Feldlager bei der Geburt ihres 14. Kindes 1631 gestorben. Auf dem Sterbebett hat sie ihrem Mogul noch drei Versprechen abgenommen, erstens er solle nicht mehr heiraten, zweitens er solle sich um ihre Töchter ebenso wie um die Söhne kümmern und drittens er solle ihr ein Mausoleum bauen. Alle Versprechen hat der Mogul eingelöst und somit hat er der Welt eines der wirklich beeindruckendsten Gebäude geschenkt. Es ist am Fluß so erhöht gebaut, dass es scheinbar im Himmel schwebt. Das Material für den Bau wurde aus ganz Asien mit über 1.000 Elefanten nach Agra an den Jamuna Fluss gebracht. Die Grundsubstanz ist weißer Marmor, welcher ganz wundervoll bearbeitet wurde und mit filigranen Edelsteineinlegearbeiten verziert ist.
Eine Blume, von denen es unzählige auf und in dem Gebäude gibt, besteht aus bis zu 42 einzelnen Edelsteinplättchen die zunächst vorgeschliffen werden. Diese werden dann auf die Marmorplatten gelegt und mit rotem Henna besprüht um ein Negativ auf dem weißen Marmor abzubilden. Dieses wird dann entsprechend ausgeschliffen und dann werden die Edelsteine mit einem Spezialkleber, dessen Zusammensetzung noch heute geheim ist, eingeklebt. Dann wir das Ganze plan geschliffen und somit wächst im weißen Marmor eine bunte Blume. Was für eine Arbeit!
Neben dem Thaj biete Agra auch noch das riesige Rote Ford, welches ebenfalls umwerfend schön ist und plastisch die Macht und den Reichtum der damalige Mogulherrscher zeigt.
Wir könnten endlos weiter berichten, aber nun gehts erst mal nach Nepal! :-)
Bis bald, Jochen und Christiane

